Aufgezeichnet: Wale singen außerirdisch - DER SPIEGEL
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Aufgezeichnet Wale singen außerirdisch

Auf Töne, die ganz und gar nicht tierisch klingen, sind Meeresbiologen vor Australien gestoßen. Die seltsamen Gesänge der Minkwale weckten bei den Forschern Erinnerungen an die "Star Wars"-Filme.
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Es klingt seltsam metallisch, was Wissenschaftler in der Nähe des australischen Great Barrier Reef aufgenommen haben. Dort, in den geschützten Gewässern im Nordosten des fünften Kontinents, sind sie ungewöhnlich nahe an eine kleine, als extrem scheu geltende Unterart des Minkwals herangekommen. Aufzeichnungen mit Unterwasser-Mikrofonen offenbarten Einmaliges: Zumindest einer der registrierten Walgesänge unterscheidet sich grundlegend von allem bislang Gehörten.

Die Unterart der Minkwale, die sich wahrscheinlich in einem Gebiet von Südafrika über Australien bis hin nach Südamerika tummelt, ist noch immer weitgehend unerforscht. Die bis zu acht Meter langen Meeressäuger leben zurückgezogen, lassen sich selten blicken und stellen damit ein denkbar ungünstiges Studienobjekt dar. Normalerweise.

Doch der Meeresbiologe Daniel Costa von der University of California in Santa Cruz hatte Glück. 1996 erhielt er, wie das Wissenschaftsmagazin "Science" in seiner Online-Ausgabe berichtet, einen Anruf von einem australischen Tourismusunternehmen. Dem Ausflugsboot "Undersea Explorer", so die frohe Kunde, folgten regelmäßig Minkwale - mitunter so nahe, dass Schwimmer sie fast berühren konnten.

Zusammen mit seinem Studenten Jason Gedamke ging Costa der Sache auf den Grund. Die Meeresforscher senkten Mikrofone ins Wasser und konnten erstmals Tönen der seltenen Minkwal-Exemplare lauschen. "Ich war verblüfft", so Gedamke gegenüber "Science Online". Die Töne hätten sich völlig anders angehört als normale Wal-Laute. "Es war, als schlage jemand rhythmisch auf ein Ölfass." Auf seiner Website beschreibt der Student die Töne als "'Star Wars'-Thema".

Während der Begegnungen von Mensch und Wal, die manchmal bis zu fünf Stunden dauern und bis zu 30 Tiere umfassen konnten, gelangen den Forschern Tonaufnahmen von rund 90 Stunden Dauer. Doch nicht nur die Wissenschaftler hatten ihren Spaß. Passagiere der "Undersea Explorer" konnten zusammen mit den Walen schnorcheln. "Wenn die Wale Laute von sich geben", so Gedamke, "können Schwimmer die Töne nicht nur hören, sondern am ganzen Körper fühlen."

Wie die Meeressäuger ihre seltsamen Geräusche produzieren und welchen Sinn sie haben, ist den Forschern, die ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Journal of the Acoustical Society" präsentieren, noch immer rätselhaft. Sicher ist nur, dass die Tonfolgen regelmäßig wiederholt werden - wie in einem Lied. Möglicherweise hilft das "Star-Wars-Thema", das auf Grund seines Aufbaus über große Strecken zu hören ist, den Tieren bei der Kommunikation unter Wasser.

Wissenschaftlern, die den Minkwal aufspüren wollen, hilft es auf jeden Fall: Costa und Gedamke haben im Gebiet des Great Barrier Reefs Sonobojen platziert, die Aufschlüsse über die augenblicklich Position der Tiere geben können. Da die Tiere ihre Gesänge regelmäßig abgeben ist es möglich, die Wanderungsbewegungen zu verfolgen.

Die Minkwale sind nicht die ersten Meeressäuger, die die Menschheit mit ihren Gesängen verblüffen. Erst vor kurzem haben Wissenschaftler entdeckt, dass sich Orcas - genauso wie Menschen - in unterschiedlichen Dialekten unterhalten können. Und australische Buckelwale, die geografischen Verwandten der untersuchten Minkwale, ändern mitunter sogar ihre Musikgeschmack: Inspiriert von Besuchern aus dem Indischen Ozean haben die intelligenten Tiere innerhalb kurzer Zeit ihre alten Gesangsbücher über Bord geworfen.

Alexander Stirn