Verhaltensforschung Werkzeug-nutzende Delfine bilden Cliquen
Großer Tümmler mit Schwamm: Von der Mutter erlernte Jagdmethode
Foto: Eric M. PattersonDelfine halten sich bevorzugt in der Nähe von Artgenossen auf, die bei der Jagd das gleiche Werkzeug benutzen. Das haben US-amerikanische Biologen in der Shark Bay vor der Westküste Australiens beobachtet, wie sie im Fachmagazin "Nature Communications" berichten.
In der Shark Bay haben einige Delfine gelernt, einen Schwamm ins Maul zu nehmen und damit den Meeresboden aufzuwühlen. Sie scheuchen dadurch kleinere Meerestiere auf, die sie dann fressen. Die Wissenschaftler stellten nun fest, dass Tiere mit dieser Jagdstrategie bevorzugt sozialen Kontakt mit Delfinen eingehen, die ebenfalls diese Technik beherrschen.
Für die Delfine der Shark Bay sei die Jagd mit den Schwämmen ein Lebensstil, der ihre sozialen Beziehungen beeinflusse - ähnlich wie ein gemeinsames Interesse bei Menschen, schreiben die Forscher. Dass durch erlernte Verhaltensweisen wie die Schwammjagd solche Subkulturen innerhalb einer Gemeinschaft entstehen, sei im Tierreich zuvor noch nicht beobachtet worden.
Nur wenige Tiere erlernen die Schwamm-Jagd
Die Großen Tümmler in der Shark Bay lernen als Jungtiere von ihren Müttern, wie sie einen Schwamm zum Beutefang nutzen können. Dieses Verhalten wird nur auf diesem Wege von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Gleichaltrige Mitglieder der Delfingemeinschaft lernten dagegen nicht voneinander.
In der Region gibt es tausende Delfine, doch nur eine kleine Minderheit von 55 Tieren beherrscht den Trick mit dem Schwamm. Das sei ungewöhnlich, schreiben Janet Mann von der Georgetown University in Washington und ihre Kollegen. Denn in nahezu allen anderen Fällen von Werkzeugnutzung im Tierreich beherrsche die gesamte Gruppe diese Fähigkeit oder zumindest alle Vertreter eines Geschlechts.
Für ihre Studie hatten die Forscher die sozialen Kontakte von 439 weiblichen und männlichen Delfinen in der Bucht analysiert. Unter den untersuchten Tieren waren 36 Schwammjäger, die meisten von ihnen Weibchen. Insgesamt werteten die Forscher 14.651 Sichtungen dieser Delfine aus. Waren bei einer Sichtung zwei Tiere weniger als zehn Meter voneinander entfernt oder reagierten aufeinander, gelte dies normalerweise als Kontakt, wie die Biologen erklären. Aus den Sichtungsdaten entwickelten sie ein Modell, das das soziale Netz der einzelnen Tiere sichtbar macht und die Enge ihrer Bindungen zu anderen Tieren zeigt.
Die Schwammjäger seien bevorzugt in sozialen Netzen zu finden, in denen es auch andere Schwammjäger gebe, berichten die Forscher. Sie bildeten die große Mehrheit in zwei der sechs Untergruppen der Delfinpopulation. Zwar hätten die mit Schwämmen jagenden Delfine auch regelmäßige Kontakte mit Nicht-Schwammjägern, am häufigsten und engsten aber seien die zu Gleichgesinnten. Das sei erstaunlich, weil die Jagd selbst nie in Gruppen, sondern stets einzeln stattfinde.