"Chans Megastab": Das längste Insekt der Welt - DER SPIEGEL
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"Chans Megastab" Das längste Insekt der Welt

Sie sieht aus wie ein Ast und ist fast so lang wie der Arm eines erwachsenen Menschen: Eine Stabschrecke ist nach Meinung britischer Forscher das längste Insekt der Welt. Ihr Name: "Chans Megastab".
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London - Wenn man nicht genau hinsieht, wird man das Tier in seiner natürlichen Umgebung kaum als solches erkennen: Es sieht aus wie ein langer Zweig. Doch ein Dorfbewohner auf der indonesischen Insel Borneo war aufmerksam. Er erspähte das Insekt, fing es ein und übergab es einem Hobbyforscher. Der staunte nicht schlecht, denn das Tier hatte riesige Ausmaße. Von einem Ende zum anderen misst es fast 57 Zentimeter.

Das alles geschah bereits 1989, und jetzt haben britische Forscher das Insekt zum längsten der Welt ernannt. Der Lehrer Philip Bragg, der in seiner Freizeit Stabschrecken katalogisiert, hat das Rekordinsekt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Zootaxa"  formell identifiziert. Es trägt nun den Namen Phobaeticus chani, frei übersetzt: "Chans Megastab", eine Hommage an Datuk Chan Chew Lun, jenen Hobbyforscher, der das Insekt vom ursprünglichen Finder bekommen hatte.

Paul Brock, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Londoner Natural History Museum, hat "keinen Zweifel", dass es sich bei dem Insekt um das längste der Welt handelt. Anders als seine kleineren und meist zerbrechlich wirkenden Verwandten sieht Phobaeticus chani aus wie ein kräftiger Bambusstab. Seine Abmessungen sind wahrlich beeindruckend: Mit einer Länge von 35,7 Zentimetern von Kopfspitze bis Körperende schlägt Chans Megastab den bisherigen Rekordhalter - den ebenfalls auf Borneo lebenden Phobaeticus kirbyi - um 2,9 Zentimeter. Rechnet man die Beine hinzu, bringt es Phobaeticus chani gar auf fast 57 Zentimeter.

Die Gespenstschrecken, zu denen auch die Stabschrecken gehören, zählen zu den geschicktesten Tarnungskünstlern im Tierreich. Fressfeinden entgehen sie meist, indem sie ihr Aussehen perfekt den Pflanzen ihrer Umgebung anpassen. Oft sind sie selbst auf den zweiten und dritten Blick kaum von Zweigen oder Blättern zu unterscheiden. Falls das nicht genügt, können manche der sogenannten Phasmiden ihre Feinde auch mit Stacheln oder giftigen Substanzen abwehren. "Aber ihre Hauptverteidigung ist es, herumzuhängen und wie ein Zweig auszusehen", meint Brock. "Sie schaukeln sogar im Wind."

Für Bragg zeigt die Entdeckung, dass dringend mehr zum Artenschutz unternommen werden muss. "Es gibt auf der Welt nicht genügend Spezialisten, um an allen Insekten zu arbeiten", so der Lehrer. "Es wird viele Arten geben, die ausgestorben sind, bevor irgendjemand sie beschreiben kann." Phobaeticus chani ist übrigens seit Donnerstag Teil einer Sonderausstellung im Londoner Natural History Museum. Ihr Titel: "Creepy Crawlies" (Gruselige Krabbler).

mbe/AP