CO2-Messnetz: Ein Eiffelturm in der Taiga - DER SPIEGEL
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CO2-Messnetz Ein Eiffelturm in der Taiga

Ein riesiger Messturm überragt die Nadelbäume der sibirischen Taiga. Er soll Daten über den Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Treibhausgasen liefern. Forscher erwarten sich von der Station Erkenntnisse, wie es mit dem Klima auf der Erde weitergeht.
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Auf einer Lichtung mitten in der sibirischen Taiga steht neuerdings ein rot-weißer Turm von beeindruckenden Ausmaßen: Mit 300 Metern ist er fast so hoch wie der Eiffelturm. Mithilfe der neuen Klimaforschungsstation Zotino Tall Tower Observation Facility, kurz Zotto genannt, wollen Forscher der Max-Planck-Gesellschaft zusammen mit ihren russischen Partnern künftig untersuchen, wie sich die Konzentration der Treibhausgase und die steigenden Temperaturen der Erdatmosphäre gegenseitig beeinflussen.

Die riesigen Waldgebieten Sibiriens sind ein idealer Ort für solche Untersuchungen: Sie speichern etwa zehn Prozent des Kohlendioxids, das weltweit vorkommt. Der Standort für die Messung in der Taiga ist mit Bedacht gewählt: Die Region in der Nähe des Städtchens Zotino ist von menschlichen Einflüssen fast unberührt. So werden die Messergebnisse nicht durch stärkere Treibhausgas-Emissionen verfälscht, wie sie typischerweise im Umfeld größerer Städte auftreten.

Dass Zotto sich so hoch in den Himmel reckt, wie es der Pariser Eiffelturm ohne Fernsehantenne auf der Spitze tut, bietet noch weitere Vorteile für die Wissenschaftler: Sie können so Klimadaten aus der sogenannten mixed layer gewinnen, einer Luftschicht in 200 bis 2000 Metern über dem Erdboden. "Die Höhe des Turmes ist ein großer Fortschritt, um verlässliche Klimadaten zu gewinnen", sagte Martin Heimann vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Die relativ homogene Luftschicht in dieser Höhe blende nämlich Effekte aus, die sich aus dem Tag-Nacht-Rhythmus der Pflanzen am Boden ergeben. Außerdem können die Forscher von einem Turm aus Daten aus einem sehr großen Gebiet erfassen: Eine Million Quadratkilometer groß ist die Fläche, die Zotto vermessen kann.

Die Konzentrationen der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas, welche die Klimaforschungsstation in erster Linie misst, tragen nach derzeitigem Stand der Wissenschaft die Hauptschuld an der Erwärmung der Erdatmosphähre. Weil die Temperaturen in Sibirien besonders stark ansteigen, könnte sich der Kreislauf, der das Kohlendioxid über die Photosynthese zurück in die Pflanzen trägt, hier deutlich verändern. "Zontino ist deshalb ein idealer Standort, um Wechselwirkungen zwischen Treibhausgasen und Erderwärmung zu untersuchen", sagte Heimann.

Zotino ist ein eingebunden in ein Netzwerk von Messpunkten, die sich über ganz Europa erstrecken. Die Messstation in Sibirien hat die Max-Planck-Gesellschaft etwa 1,7 Millionen Euro gekostet. Sie soll in den kommenden 30 Jahren Klimadaten liefern - mit kurzfristigen Ergebnissen rechnen die Wissenschaftler indes nicht.

akh

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