Durst: Auch Seeschlangen brauchen Süßwasser - DER SPIEGEL
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Durst Auch Seeschlangen brauchen Süßwasser

Menschen beneiden sie darum: Meerestiere haben eine eingebaute Entsalzung. Doch Biologen haben beobachtet, dass Seeschlangen trotzdem auf eine Süßwasser-Ration angewiesen sind - sonst droht ihnen im eigenen Lebensraum der Tod durch Verdursten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schiffbrüchige sollten kein Salzwasser trinken: So lautet eine alte Seemannsweisheit. Auch wenn das im Licht neuerer Erkenntnisse differenzierter aussieht - Menschen könnten einige wenige Tage mit Meerwasser-Rationen überleben, schauen sie doch neidisch auf die Meerestiere: Viele von ihnen verfügen über raffinierte Mechanismen, um das überschüssige Salz aus dem Meerwasser loszuwerden. Bei Seeschlangen ist dafür die sogenannte Salzdrüse unter der Zunge verantwortlich.

Deshalb, so dachte man bisher, können Seeschlangen auch problemlos Meerwasser trinken. Doch der Biologe Harvey Lillywhite von der University of Florida in Gainesville wunderte sich: In Salzwasser-Aquarien im Labor wollten seine Seeschlangen einfach nicht gedeihen. In Süßwasser fühlten sich die Tiere dagegen wohl. Für Lillywhite war diese Beobachtung der Anlass für ein Experiment zu den Trinkgewohnheiten der Tiere. Bei einer Konferenz, dem Jahrestreffen der Society for Integrative and Comparative Biology, berichtete er den Fachkollegen von seinen Ergebnissen, wie ScienceNow, der Online-Dienst des Wissenschaftsjournals "Science", berichtet.

In den Küstengewässern Taiwans sammelten Lillywhite und seine Kollegen drei Arten der Gattung Laticauda, der sogenannten Plattschwanz-Seeschlangen. Im Labor mussten die Schlangen dann so lange Zeit in Salzwasser verbringen, bis einen ganz schönen Durst hatten. Daraufhin siedelten die Forscher die Schlangen in Behälter mit unterschiedlichen Salzwasserkonzentrationen um und beobachteten, ob diese ihrem Durst nachgaben. Trotz des Flüssigkeitsmangels tranken die Tiere nur Süßwasser oder einen Flüssigkeitsmix mit einer Anteil, der maximal 25 Prozent Meerwasser entspricht. Flüssigkeit mit einem Salzgehalt von 50 Prozent des normalen Meerwassers oder mehr verschmähten sie dagegen.

In einem weiteren Experiment ließen die Forscher die Schlangen in Salzwasser zehn Tage lang hungern. Einige mussten ausschließlich im Salzwasser fasten, andere durften kurz einen Ausflug ins Süßwasser machen. Die Tiere, die alle zwei Tage für eine Stunde Zugang zu Süßwasser hatten, verloren durch diese Prozedur weniger Gewicht als ihre Artgenossen, die die ganze Zeit in Salzwasser verbracht hatten.

Zumindest die untersuchten Schlangenarten seien also auf Süßwasser angewiesen, berichten die Forscher. Das gelte wahrscheinlich jedoch auch für andere Arten. Das erkläre auch die örtliche Verteilung der Meeresreptilien, denn diese kommen hauptsächlich entlang von Küsten mit Süßwasserquellen vor - oder in Gebieten mit viel Regen.

Wenn nur der Niederschlag ausreichend ist, können die Tiere auch auf dem offenen Meer ohne allzu große Probleme an Süßwasser kommen: Das Regenwasser bildet unter ruhigen Bedingungen eine dünne Süßwasserschicht auf dem Meerwasser - was für die Schlangen vollkommen ausreicht, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Das haben sie Schiffbrüchigen voraus.

stx/ddp

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