Entdeckungen im eigenen Garten: Große Wollschweber - DER SPIEGEL
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Großer Wollschweber: Was schwirrt denn da?

Foto: Frank Patalong

Expedition Balkonien Nanu, was schwirrt denn da?

Das Frühjahr 2017 beginnt vielversprechend: Ungewöhnlich früh blüht, sirrt und schwirrt es in unseren Gärten. Wer genau hinsieht, macht dort echte Entdeckungen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für viele Menschen ist Freizeit fest mit Flucht und Ferne verbunden: Man sucht die Abwechslung, will etwas anderes sehen, einen Perspektivenwechsel erleben. Daran ist nichts falsch - nur dass man dafür prinzipiell nicht reisen muss. Beeindruckende Natur-Erlebnisse hat man, wenn man sich auf die Details unserer Umwelt intensiver einlässt als normalerweise. Dass klappt auch im Park, der Aue, dem Stadtwald oder im eigenen Garten. Man muss sich nur das ganz genau ansehen, was man normalerweise ignoriert.

Der März 2017 fiel im landesweiten, statistischen Durchschnitt satte drei Grad wärmer aus als der im Vorjahr. Er erreichte damit schon fast die Durchschnittstemperatur, die wir in unseren Breiten für den gesamten Frühling erwarten. Kein Wunder, dass es ungewöhnlich früh blüht im Land. Überstunden machen jetzt auch die Bestäuber unter den Insekten: Hummeln und Bienen, erste Schmetterlinge und - ja, was eigentlich?

Unter den Insekten, die zurzeit die Blumen umschwirren, finden sich auffällig viele kleine rotbraune, regelrecht pelzige Gesellen, die ganz besonders schnell von Blüte zu Blüte flitzen. Ihr Flugbild ist ganz anders als bei Bienen, Wespen oder Hummeln. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die behaarten kleinen Tiere nur zwei Flügel haben. Dafür verfügen sie über einen Saugrüssel, der etwa so lang ist wie ihr Körper und den sie wie einen Stachel kerzengerade vor sich hertragen.

Wie ein winziger Kolibri nähern sie sich ihrer Zielblüte und schaffen es, schon im Anflug ihren Saugrüssel zum Nektar abzusenken. Nur wenn sie fündig werden, landen sie kurz. Meist setzen sie nur mit den Vorderbeinen auf und "stehen" vor der Blüte in der Luft.

Was man da schwirren sieht, sind sogenannte Wollschweber. Die erwachsenen Tiere sind emsige Bestäuber und konkurrieren mit Bienen und anderen Insekten um den Blumennektar. Man übersieht sie leicht, weil man sie wegen ihres "Pelzes" oft als eine Art Hummel verbucht und wegen ihrer Geschwindigkeit nicht so genau hinsieht.

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Tatsächlich sind die Wollschweber eine Fliegen-Familie, zu der man weltweit über 6000 Arten zählt. Die meisten davon sind wenig ansehnlich. In Deutschland leben 34 Vertreter der Familie, und der auffälligste und sicher auch hübscheste unter ihnen ist der beschriebene Große Wollschweber (Bombylius major, siehe Bildergalerie). Keine Art unter diesen sonst eher wenig populären Tieren hat die Haare derart schön.

Aus menschlicher Perspektive weit weniger appetitlich ist allerdings die ökologische Rolle seines Nachwuchses: Die Larven des Wollschwebers sind Parasiten, die sich vom Nachwuchs solitär lebender, also nichtstaatenbildender Wespen und Wildbienen ernähren. Gefährlich wurden die Wollschweber den Wespen und Wildbienen aber bislang nicht - sie sind Teil des viel beschworenen biologischen Gleichgewichts. Sie gehören zu unseren häufigen heimischen Insekten und kommen fast überall in den gemäßigten Breiten der nördlichen Erdhalbkugel vor. Trotzdem übersehen wir sie leicht.

Das gilt für viele unserer heimischen Arten: Auch Ihr Balkon, Garten, Park oder Wald ist voller Entdeckungen, wenn man nur genau hinsieht. Probieren Sie es aus und schreiben uns, wenn auch bei Ihnen etwas Ungewöhnliches schwirrt, wächst, blüht, kraucht oder läuft. Wir sind gespannt - auch auf Ihre Fotos!