Fledermaus-Saurier Yi qi: Der Kurze mit den langen Fingern
Forscher haben in China das Fossil eines Dinos entdeckt, der an eine Fledermaus erinnert, und ihn "Yi qi" genannt "seltsamer Flügel". Er war ein enger Verwandter der ersten Vögel - und flog in eine evolutionäre Sackgasse.
Xing Xu von der Akademie der Wissenschaften in Peking, China, gehört zu den erfolgreichsten Paläontologen der vergangenen Jahre, wenn es um die Erstbeschreibung neuer Dinosaurierarten geht. Seit 1999 hat er 32 neue Arten beschrieben. Darunter einige der wichtigsten gefiederten Saurier. Die Arbeiten des Forschers untermauerten die Theorien von der Saurier-Herkunft der Vögel.
In der aktuellen Ausgabe von "Nature" stellt er einmal mehr einen Vertreter der kleinen Maniraptoren vor , die heute als Vorfahren der Vögel gelten. Nur das Yi qi, chinesisch für "seltsamer Flügel", nicht im eigentlichen Sinne gefiedert war.
Zwar zeigt das 160 Millionen Jahre alte Fossil eine Art Behaarung, die möglicherweise aus Protofedern bestand. Diese dürften aber eher der Wärmeisolation als dem Flug gedient haben. Formfedern mit einem versteifenden Kiel, der aus den feinen Gebilden erst tragfähige Flächen macht, sucht man vergeblich.
Trotzdem war Yi qi offenbar für die Fliegerei ausgerüstet. Das zeigt der Aufbau der Arm- und Fingerknochen. Sie sind wie bei vielen anderen Maniraptoren deutlich verlängert. Die Knochen von Yi qi erinnern sogar stark an jene von Fledermäusen.
"Neue Fragen über den Beginn des Vogelflugs"
Unter dem Mikroskop wollen die Forscher auch Ansätze einer Membran erkannt haben, die sich von diesen langen Armen aus spannte. Genauso sind die Flügel von Fledermäusen aufgebaut. Es wäre ein absolutes Novum unter den Dinosauriern. Die einzigen bekannten Flieger unter den Dinos hatten Federn.
Xing Xu und seine Co-Autoren glauben, hier über ein evolutionäres Konzept zum Flug gestolpert zu sein, das mit dem Ende der Kreidezeit zunächst in einer Sackgasse landete. Der nur 380 Gramm schwere Yi qi wäre demnach definitiv kein Vorfahre heutiger Vögel, sondern nur ein enger Verwandter der Vogelvorfahren.
Wie gesichert ist das alles? Man weiß es nicht wirklich: Das Fossil ist zwar recht vollständig (siehe Bildergalerie), aber eben auch nicht komplett. Wie genau der Flügelaufbau ausgesehen hat und welche Form von Flug - bloßes Gleiten, Flug aus eigener Kraft - er möglich machte, bleibt zunächst ungeklärt.
Schräge Verwandtschaft
Interessant ist aber auch die nähere Verwandtschaft von Yi qi. Xing Xus Team ordnet das Tier den Scansoriopterygidae zu. Das sind kleine Maniraptoren mit einer auffälligen Gemeinsamkeit: lange Finger.
Bisher waren nur Arten bekannt, die womöglich gar nicht mal unterschiedlichen Arten waren: Epidendrosaurus wird als filigraner, flügelloser Baumkletterer mit bizarr verlängerten Fingern rekonstruiert, mit denen er in Astlöchern nach Maden und Larven gepuhlt haben soll. Scansoriopteryx hingegen stellt man sich als gefiederten kleinen Gleiter vor. Er kletterte auf Bäume und schwang sich dann im Gleitflug auf die Jagd.
Die Skelette dieser Maniraptora waren sich ähnlich, unterschiedlich ausgeprägt waren vor allem die Arme und deren Nutzung. Nebeneinandergestellt würden die drei kleinen Tiere so ein Paradebeispiel darwinscher Evolution repräsentieren. Evolution ist demnach weder zielgerichtet noch als Anpassungsprozess zu verstehen. Sie ähnelt eher einem Würfeln, einem Ausprobieren verschiedenster Merkmale und Eigenschaften. Was sich bewährt, überlebt und pflanzt sich fort.
Yi qi tat das wohl nicht: Die Feder setzte sich durch.