55 Millionen Jahre altes Skelett Ur-Äffchen war ein Winzling
Es ist das älteste Primatenskelett, das jemals entdeckt wurde: Im Fachmagazin "Nature" berichtet ein internationales Forscherteam von den 55 Millionen Jahre alten Knochen, die in der chinesischen Hubei-Provinz gefunden wurden. Mit Hilfe von Röntgenstrahlung konnten die Forscher das in Stein eingeschlossene Fossil komplett untersuchen, ohne es zu beschädigen. Das Fossil verrät einiges über die Entwicklungsgeschichte der Primaten, schreibt das Team um Xijun Ni von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking
Sie haben die Art Archicebus achilles genannt. "Arche" ist das altgriechische Wort für Anfang, "Cebus" lässt sich mit "langschwänziger Affe" übersetzen. Das Beiwort Achilles spielt auf den ungewöhnlichen Fersenknochen des Tieres an.
Zwar haben Forscher schon einige ähnliche alte Primatenknochen entdeckt, doch ein derart gut erhaltenes Skelett aus diesem Zeitalter ist nach Angaben der Wissenschaftler einzigartig. Zusammen mit anderen Fossilien stützt der Fund die These, dass die frühe Primatenentwicklung nicht in Afrika stattfand, wie lange angenommen, sondern in Asien.
Der Körper von A. achilles war rund sieben Zentimeter lang, sein Kopf 2,5 Zentimeter lang und 1,7 Zentimeter breit. Der Schwanz des Äffchens maß rund 13 Zentimeter. Das erwachsene Tier brachte nicht mehr als 20 oder 30 Gramm auf die Waage, berichten die Wissenschaftler. Sie ordnen das Tier als Verwandten der Koboldmakis ein. Sehr wahrscheinlich liegt sein Platz im Primaten-Stammbaum nahe an der Abspaltung der Koboldmakis von den Affen beziehungsweise Höheren Primaten. Nach Vermutung der Forscher stellt er den bislang ursprünglichsten Vertreter der Koboldmakis (Tarsiiformes) dar.
Archicebus achilles: Langschwänziger Affe mit Achillesferse
"Ein seltsamer Mischling"
Im Gegensatz zu seinen heute lebenden nachtaktiven Verwandten war A. achilles wohl tagsüber im Einsatz. Die Vermutung beruht darauf, dass die Augenhöhlen des frühen Primaten nicht vergrößert sind wie bei den Koboldmakis. Die großen Eckzähne sowie die spitzen vorderen Backenzähne lassen vermuten, dass sich das Tier hauptsächlich von Insekten ernährte. Wie die Koboldmakis war er an ein Leben auf den Bäumen angepasst.
Das Skelett des frühen Primaten beschreiben die Forscher als eine ungewöhnliche Mischung aus bekannten anatomischen Merkmalen. "Es sieht wie ein seltsamer Mischling aus - mit den Füßen eines kleinen Affen, den Armen, Beinen und Zähnen eines sehr primitiven Primaten und einem urtümlichen Kopf mit überraschend kleinen Augen", sagt der an der Studie beteiligte Forscher Christopher Beard vom Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania).
Entdeckt wurde das Fossil bereits vor Jahren von einem Bauern. Es war in einem Stein eingeschlossen, den er aufschlug. Das Skelett des frühen Primaten liegt deshalb in zwei Teilen vor - in den beiden Steinhälften. An der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) im französischen Grenoble analysierten Wissenschaftler beide Hälften mit Hilfe von Röntgenstrahlen. Ohne das Fossil zu beeinträchtigen war es möglich, ein dreidimensionales Abbild des Skeletts zu erstellen. Das geschah bereits 2008 - seitdem haben die Forscher die Daten analysiert, um die ausgestorbene Primatenart möglichst exakt einzuordnen.