Frösche in der Zwickmühle: Sie balzen sich zu Tode - DER SPIEGEL
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Frösche in der Zwickmühle Sie balzen sich zu Tode

Wenn männliche Frösche um die Gunst der Weibchen quaken, leben sie gefährlich. Denn ihre Rufe locken nicht nur Froschdamen an, sondern auch Fledermäuse, auf deren Speisezettel sie stehen. Schuld sind kleine Wasserwellen.
Verfehlte Balz: Dieser Frosch hat zu seinen Ungunsten auf sich aufmerksam gemacht
Verfehlte Balz: Dieser Frosch hat zu seinen Ungunsten auf sich aufmerksam gemacht

Verfehlte Balz: Dieser Frosch hat zu seinen Ungunsten auf sich aufmerksam gemacht

Foto: Christian Ziegler/ dpa
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Panama-Stadt - Männliche Tungara-Frösche leben beim Balzen gefährlich: Wenn sie beim Rufen im Teich ihre Schallblasen aufpumpen, erzeugen sie damit kleine Wasserwellen. Diese verraten aber vorbeifliegenden Fledermäusen, wo sich die Frösche verbergen. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science" .

Für eine rettende Reaktion ist es dann meist zu spät, schreiben die Wissenschaftler. Die Balzrufe schnell einzustellen sei für die Frösche völlig wirkungslos, da sich die Wasserwellen mehrere Sekunden lang auf der Oberfläche eines Gewässers ausbreiten könnten.

Tungara-Frösche (Engystomops pustulosus) leben in Zentral- und Südamerika. Nacht für Nacht rufen sie aus ihren Teichen nach einem Weibchen. Wouter Halfwerk vom Smithonian Tropical Research Institute (Apartado/Panama) und seine Mitarbeiter hatten nun unter anderem Plastikmodelle von Fröschen in einen kleinen Wasserpool gesetzt und dann einige Playback-Experimente gestartet.

Die Forscher imitierten dabei entweder nur die Paarungsrufe der Frösche allein oder die Paarungsrufe kombiniert mit Wasserwellen. Dabei beobachteten sie, wie die froschfressenden Fledermäuse (Trachops cirrhosus) in der Nähe reagierten. Flog eine Fledermaus heran, stellten die Forscher die Signale sofort ein - wie es auch ein echter Frosch beim Anblick einer Fledermaus tun würde.

Auch Konkurrenten ändern ihr Verhalten

Die Forscher beobachteten, dass die Fledermäuse deutlich häufiger auf die Plastikfrösche losgingen, wenn die Rufe mit Wasserwellen kombiniert waren als wenn sie allein kamen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Fledermäuse die Mini-Wellen mit Hilfe ihres Echolotsystems wahrnehmen. Denn weitere Untersuchungen zeigten, dass eine wellige Wasseroberfläche andere Echolotsignale liefert als eine glatte.

Verbargen die Forscher die Frösche unter einem Blätterdach, griffen die Fledermäuse nicht an, vermutlich weil das Laub die akustischen Schlüsselsignale verzerrte.

In vorhergehenden Experimenten hatten die Forscher bereits herausgefunden, dass auch andere Männchen auf die von ihren Artgenossen erzeugten Wasserwellen reagierten. Wenn sich das sendende Männchen in unmittelbarer Nähe befand, hörten die anderen Männchen häufig selber auf zu rufen und leerten teils ihre Schallblasen. Vermutlich bereiteten sie sich darauf vor, zu fliehen oder anzugreifen, schreiben die Wissenschaftler.

"Der Klang stellt den offensichtlichen Teil der Frosch-Kommunikation dar", erläuterte Erstautor Wouter Halfwerk. "Dennoch sind es die durch die Rufe erzeugten Wasserwellen, die das Verhalten konkurrierender Männchen änderten." Nachteile entstünden den Fröschen dadurch, dass gänzlich unbeabsichtigt auch die Fledermäuse diese Signale deuten könnten und sie nutzen, um Jagd auf die Frösche zu machen.

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che/dpa