Fukushima: Risikofaktor Abklingbecken
Fukushima Radioaktive Brennstäbe werden aus Abklingbecken geholt
Tokio - Im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima soll noch in diesem Monat mit der gefährlichen Operation begonnen werden, radioaktive Brennstäbe aus einem Abklingbecken zu holen. Dies kündigte am Donnerstag Kraftwerksdirektor Akira Ono bei einem Besuch von Journalisten in Fukushima an. Nach Meinung von Experten ist dies die schwierigste und gefährlichste Aufgabe, seitdem das Kraftwerk vor zwei Jahren nach Erdbeben und Tsunami nach und nach wieder unter Kontrolle gebracht worden war.
Insgesamt sollten 1533 Uran- und Plutonium-Brennstäbe aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 geholt werden, sagte eine Sprecherin des Energiekonzerns Tepco. Eigentlich sei das in allen Atomkraftwerken der Welt eine Routinearbeit. "Aber hier ist es wegen der Naturkatastrophe etwas anders." Die Brennstäbe müssten unbedingt aus dem Becken geholt werden, betonte die Sprecherin. "Dies ist ein großer Schritt in Richtung Stilllegung."
Im Atomkraftwerk Fukushima war infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis im März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, was in mehreren Reaktoren eine Kernschmelze verursachte. Im Reaktor 4 kam es aber nicht zur Kernschmelze, weshalb die nun anstehende Bergung der Brennstäbe aus diesem Abklingbecken trotz der damit verbundenen Gefahren als vergleichsweise einfacher gilt als in den anderen Reaktoren.
Das Abklingbecken von Reaktor 4 gilt als eine der größten Gefahrenquellen auf dem Gelände des AKW. Es liegt unbedeckt, seit eine Explosion am 15. März 2011 einen Teil der Außenwand des Gebäudes weggerissen hat. Ein weiteres Erdbeben, so die Befürchtung, könnte das Reaktorgebäude erneut beschädigen und zu einer Freisetzung von großen Mengen radioaktiven Materials führen. Walter Tromm vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) relativierte die Gefahr allerdings im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Im Normalfall sind Brennstäbe nach drei Jahren, manchmal auch früher so weit abgekühlt, dass sie aus dem Abklingbecken geholt und trocken gelagert werden können", so der Experte für Kernreaktorsicherheit.