Genetischer Jungbrunnen Würmer, wollt ihr ewig leben?
Gäbe es auch unter Würmern Rentenversicherer, sie wären über diese Nachricht gar nicht glücklich: Mit einigen simplen Eingriffen ins Erbgut ist es Forschern gelungen, die durchschnittliche Lebenserwartung von Fadenwürmern mehr als zu versechsfachen. Das hohe Alter beeinflusste dabei, wie die Biologen jetzt im Fachmagazin "Science" berichten, kaum die Aktivität und den Gesundheitszustand der Versuchstiere. Es handele sich um die bislang erfolgreichste Lebensverlängerung, die je bei einem Organismus erreicht worden sei.
Würmer der Gattung Caenorhabditis elegans gelten schon lange als eines der Lieblingsobjekte von Altersforschern. Trotz der evolutionären Distanz unterliegt die Kontrolle der Lebenserwartung bei Wurm und Säugetier ähnlichen Mechanismen. Im vergangenen Jahr wurden Wurmforscher für ihre wegweisenden Erkenntnisse zum Zellsterben sogar mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.
Davon sind Cynthia Kenyon und ihre Kollegen von der University of San Francisco noch etwas entfernt. Ihren Würmern dagegen geht es prächtig. Effektiver als viele Gruppen zuvor, haben sie nicht nur das Fortpflanzungssystem der Würmer entfernt, sondern auch gezielt einige für die Wirkung des Hormons Insulin zuständige Gene manipuliert.
Dabei war äußerste Vorsicht geboten: Wird die Aktivität der zugehörigen Rezeptoren zu stark reduziert, fallen die noch jugendlichen Tiere in einen Ruhezustand, der ihre Entwicklung hemmt. Die richtige Balance ließ die manipulierten Würmer dagegen im Schnitt 124 Tage alt werden - normalerweise liegt ihre Lebenserwartung bei gerade einmal 20 Tagen. Nur 15 Prozent der getunten Tiere starben während der ersten 90 Tage ihres Lebens.
Wie die Forscher in "Science" schreiben, legten sie bei ihrer Arbeit besonderen Wert auf die "Lebensqualität" der Würmer: In früheren Experimenten seien die Tiere im hohen Alter oft lethargisch geworden - Anzeichen für eine deutlich verringerte Stoffwechseltätigkeit. Die neuen Mutanten erwiesen sich dagegen als äußerst agil: Selbst im Alter von 120 Tagen krochen zwei Drittel der noch lebenden Tiere selbstständig durch ihre Schalen.
Zum Beweis ihrer Fitness zogen zwei Würmer sogar am 144. Tag nach ihrer Geburt noch vor einer Videokamera ihre Bahnen. Übertragen auf den Menschen entspräche das, so die Forscher, einem aktiven und gesunden Senioren in einem Alter von mehr als 500 Jahren.
Alexander Stirn