Protest auf See: Aktivisten entern Ölbohrplattform
Greenpeace-Protest Bohrinsel-Besetzer verhaftet
Kopenhagen - Vier Greenpeace-Aktivisten sind wegen einer Protestaktion gegen Tiefseebohrungen vor Grönland festgenommen worden. Die vier Männer seien von der dänischen Polizei von der Ölplattform geborgen worden. Danach wurden sie wegen unbefugten Zutritts festgenommen, sagte ein Polizeisprecher.
Bei den Aktivisten handele sich um vier Männer aus Deutschland, Finnland, Polen und den USA. Sie protestierten gegen Tiefseebohrungen des schottischen Unternehmens Cairn Energy westlich von Grönland. Die Aktivisten hielten zwei Tage lang die Ölplattform "Stena Don" vor der Westküste besetzt, bis sie diese am Donnerstag wegen eines Eissturms verlassen mussten. Sie seien umgehend von der Polizei festgenommen worden, erklärte Greenpeace in Kopenhagen.
Die Männer hatten die Förderplattform vor der Küste von Grönland am Dienstag gestürmt. Daraufhin wurden die Bohrarbeiten gestoppt. Ein Sprecher der internationalen Umweltorganisation, Jon Burgwald, sagte telefonisch vom Greenpeace-Schiff "Esperanza", mit der Aktion seien die Bohrungen zwei Tage lang ausgesetzt worden.
Die Organisation wollte mit der Aktion nach eigenen Angaben auf die Gefahren der Ölförderung in den arktischen Gewässern aufmerksam machen. Seit rund einer Woche liege das Greenpeace-Schiff "Esperanza" zwischen zwei Bohrplätzen des schottischen Ölkonzerns Cairn Energy. Mehr als 30 internationale Umweltschützer seien an Bord, darunter mehrere Deutsche. Cairn Energy hat Anfang Juli mit Tiefseebohrungen in dem Gebiet begonnen.
Die Aktivisten hatten sich in Bergsteigerausrüstung an der Bohrinsel festgemacht. "Die Kampagne ist noch lange nicht vorbei", sagte Burgwald. "Unsere Aktivisten haben dort mehr als 40 Stunden gehangen. Letzte Nacht aber brachte sie ein eiskalter Sturm und hoher Wellengang zu der Entscheidung, dass es unter diesen Umständen zu gefährlich sei. Wir haben also die Polizei kontaktiert und gesagt, dass wir die Aktion stoppen."
Die Aktivisten werden in Grönland festgehalten. Ihnen drohen Geld- und Haftstrafen oder die Ausweisung. "Die Polizei war in einer Situation, in der sie einige von ihnen retten und aufhelfen musste, weil sie sich in eine sehr gefährliche Lage gebracht hatten", sagte ein Polizeisprecher. Dieser Darstellung widerspricht Greenpeace: "Erst die Weigerung der Polizei, unsere Aktivisten von Schlauchbooten aufnehmen zu lassen, brachte die Aktivisten in eine gefährliche Lage", sagte Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven zu SPIEGEL ONLINE.
Auf Grönland sei ein Greenpeace-Hubschrauber zur Beweissicherung beschlagnahmt worden. Greenpeace hat an Cairn appelliert, dem Beispiel von Ölkonzernen zu folgen, die nach der Ölpest im Golf von Mexiko Tiefseebohrungen ausgesetzt haben. Cairn hat erklärt, bei den bis zu 1.650 Meter tiefen Bohrungen Erdgas, aber bisher kein Öl gefunden zu haben.