Grillen-Dilemma: Entweder potent oder resistent - DER SPIEGEL
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Grillen-Dilemma Entweder potent oder resistent

Grillenmännchen müssen mit einem besonderen Dilemma leben: Sie sind entweder besonders potent - oder sie haben ein besonders robustes Immunsystem. Ausgeprägte Männlichkeit zahlt sich jedoch trotzdem aus, wie Biologen jetzt herausgefunden haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Männlichkeit hat ihren Preis. Zwar haben es potente Grillenmännchen leichter bei den Weibchen, dafür ist ihr Immunsystem anfälliger. Grund dafür ist der große Aufwand, den sie zur Ausstattung der männlichen Geschlechtsorgane treiben müssen. Das fanden Leigh Simmons und Benjamin Roberts von der University of Western Australia in Crawley mit einer Studie an Feldgrillen heraus.

Die Forscher paarten 41 männliche Grillen mit mehr als 100 Weibchen und untersuchten den Nachwuchs auf Immunabwehr und Fruchtbarkeit. Das Ergebnis: Potenz und die Anfälligkeit für Krankheiten werden von den Vätern an ihre Sprösslinge vererbt. Die Kombination der zwei Eigenschaften ist dabei nicht zufällig, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Science" (Band 309, S. 2031). Grillen, die bei der Fortpflanzung einen Vorteil haben, sind bei der spontanen Abwehr von Infektionen benachteiligt.

Das heißt aber nicht, dass besonders fruchtbare Grillenmännchen öfter krank sind - im Gegenteil. Sie brauchen ihr Immunsystem weniger, weil sie dank eines genetischen Vorteils weniger anfällig für Infektionen sind. Sie könnten es sich daher leisten, beim Immunsystem zu sparen und stattdessen in die Ausstattung ihrer geschlechtlichen Merkmale zu investieren, erklären Simmons und Roberts.

Gesunde Väter zeugen gesunden Nachwuchs, indem sie ihre guten Gene an die nächste Generation vererben. Darüber hinaus sorgt die Natur dafür, dass der Nachwuchs genetisch bevorzugter Grillenmännchen auch besonders zahlreich ist. Grillendamen ziehen Partner vor, die ihre Männlichkeit zur Schau tragen.

Nur Männchen mit guten Genen können sich diesen Luxus erlauben und so signalisieren, dass sie gutes genetisches Material anzubieten haben. Hinzu kommt, dass die Spermien dieser Männchen besonders agil sind. So werden gute Gene bei der Fortpflanzung doppelt bevorzugt.