Hartes Schuhwerk: Schnecke kriecht auf eiserner Sohle - DER SPIEGEL
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Hartes Schuhwerk Schnecke kriecht auf eiserner Sohle

In den Tiefen des Indischen Ozeans leben Seeschnecken mit eisernen Stiefeln. Die eisensulfidhaltigen Schuppen, auf denen die weichen Gesellen über den Meeresboden kriechen, sind im Tierreich einzigartig.
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Wenn es unter Wasser siedend heiß wird, fühlt sich diese Schnecke erst richtig wohl: Das neu entdeckte Kriechtier lebt an so genannten Schwarzen Rauchern, 15 Metern hohen Kaminen, die sich an heißen Tiefseequellen bilden. Aus ihnen strömt etwa 380 Grad Celsius heißes Wasser, das große Mengen an Schwefelwasserstoff enthält. Eine Vielzahl von Organismen lebt in dieser ungewöhnlichen Umgebung - darunter auch die eisenbeschuhte Seeschnecke, die Anders Warén vom Schwedischen Museum für Naturkunde und seine Kollegen jetzt fanden.

Die Schuppen, die den Fuß der Schnecke schützen, bestehen aus den Eisensulfiden Pyrit und Greignit, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Science". Die neu entdeckten Schnecken seien derzeit die einzigen bekannten Tiere, die Eisensulfide als Skelettmaterial verwenden, betonen die Forscher.

Bekannt sind derartige Eisenschuppen bislang nur von Organismen aus der so genannten Kambrischen Explosion - einem Zeitraum mit besonders rascher Entwicklung der Artenvielfalt vor 500 bis 540 Millionen Jahren. Gestalt und Erbgut der Schnecke deuten nach Angaben von Warén und seinen Kollegen jedoch darauf hin, dass sie erst vor relativ kurzer Zeit entstanden ist.

Über die Funktion der Eisenstiefel können die Wissenschaftler bislang nur spekulieren: Sie könnten womöglich ein Schutz gegen räuberische Schnecken der Gattung Phymorhynchus sein, deren Giftstachel zu kurz wäre, um den eisernen Schuppenpanzer zu durchdringen.