Java: Schlammvulkan wird Krater bilden - DER SPIEGEL
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Java Schlammvulkan wird Krater bilden

Stinkend, klebrig und schier unerschöpflich speit der Vulkan Lusi auf Java Matsch. Forscher fürchten, dass sich bald ein Krater bilden wird. Die Umgebung der Schlammfontäne bliebe dann auf Dauer unbewohnbar. Es mehren sich die Indizien, dass der Mensch Schuld an dem Desaster ist.
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Es sind keine guten Nachrichten für diejenigen Bewohner der indonesischen Insel Java, die seit letztem Sommer ihr überschwemmtes Land nicht mehr betreten können: Die braune Brühe aus dem Untergrund wird bleiben.

Noch monate- oder sogar jahrelang werde Lusi täglich neuen Schlamm ausspucken. Zwischen 7000 und 150.000 Kubikmetern wirft der Schlammvulkan täglich aus - an eine Rückkehr auf das betroffene Areal ist nicht zu denken. Das geht aus einer Untersuchung britischer Wissenschaftler hervor, die im Fachmagazin "GSA Today" der Geological Society of America veröffentlicht wurde.

Das Team unter Leitung von Richard Davies von der Durham University geht davon aus, dass wenigstens ein Gebiet von zehn Quadratkilometern um den Vulkan herum noch jahrelang unbewohnbar sein wird. Die Analyse von Satellitenbildern der letzten Monate legt außerdem nahe, dass um die Öffnung herum das Gelände absacken und einen Krater bilden wird.

Vier Dörfer, 25 Fabriken und etliche Felder befanden sich dort bis zum 29. Mai 2006, als das Unheil seinen Lauf nahm. Mehr als 11.000 Menschen wird wohl dauerhaft die Rückkehr verweigert bleiben, schätzt Davies.

Außerdem sei die matschige Malaise auf Java "fast mit Sicherheit vom Menschen verursacht", teilten die Forscher mit. Die Firma PT Lapindo Brantas hatte im vergangenen Mai zwei Tage vor dem plötzlichen Ausbruch des Schlammvulkans eine Gas-Probebohrung unternommen - nur 150 Meter von der jetzigen Dreckfontäne entfernt.

"Vorfall sehr wahrscheinlich die Folge der Bohrung"

Obwohl die indonesische Regierung die Ölbohrer per Dekret für haftbar erklärt hatte, stritten Experten darüber, ob dies die tatsächliche Ursache war. Denn Ende Mai war Java auch von einem starken Erdbeben erschüttert worden.

Jetzt berichten die britischen Forscher: Abschnitte des Bohrlochs seien nicht, wie sonst üblich, gegen eindringendes Wasser geschützt gewesen. "Der untere Teil des Bohrlochs besaß keine Ummantelung", sagte Davies. So habe Wasser aus Kalksteinschichten ungehindert seitlich in das Bohrloch eindringen können. "Unsere Forschung hat uns zu der Schlussfolgerung geführt, dass der Vorfall sehr wahrscheinlich die Folge der Bohrung war", sagte der Forscher. Also sind die Obdachlosen von Sidoarjo wohl keine Opfer einer Naturkatastrophe sondern von Pfusch am Bohrloch geworden.

"Ich bin furchtbar ärgerlich", hatte der Vogelverkäufer Rahmat Wejaya Anfang Oktober zu einem Reporter des SPIEGEL gesagt. "Ich habe meine Arbeit verloren, mein Zuhause und meinen Frieden." Der Mann hatte mit seiner Frau, seiner zweijährigen Tochter und seiner Mutter in eine Notunterkunft fliehen müssen.

"Wir müssen uns auf Kosten von geschätzten 140 Millionen US-Dollar gefasst machen", hatte der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono Ende des Jahres gesagt. Er hatte außerdem angekündigt, dass die Bohrfirma Lapindo für die Schäden aufkommen müsste - obwohl er selbst in enger personeller und finanzieller Verbindung zu deren Besitzern steht.

stx

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