Kalifornische Fischer bekämpfen hungernde Robben - DER SPIEGEL
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Nahrungskonkurrenz Diebische Seelöwen, rabiate Fischer

Im Web macht ein Video die Runde, in dem ein frecher Seelöwe einem Angler die Beute entreißt. Über die Echtheit wird gestritten, nicht aber darüber, dass so etwas vorkommt. Vor Kaliforniens Küsten steigt auch darum die Zahl der von Fischern erschossenen Tiere.
Seelöwen: Fischer sehen sie als Konkurrenten
Seelöwen: Fischer sehen sie als Konkurrenten

Seelöwen: Fischer sehen sie als Konkurrenten

Foto: Lowell Fritz / AP / dpa
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Zwei Angler posieren mit ihrem kapitalen Fang für die Kamera. Plötzlich schießt von rechts ein dunkler Schatten aus dem Wasser, greift den Schwanz des einen Fisches und verschwindet mit ihm. Das Ganze dauert nur Sekundenbruchteile, erst die Zeitlupe zeigt das Tier mit einiger Deutlichkeit. Es ist ein mächtiger Seelöwe.

Das Video macht gerade bei Youtube Furore , aber nicht nur dort. Darüber, ob das nun echt ist oder digitaler Trick, ob es für die Männer wirklich überraschend kam oder eine Art Dressur sein könnte, wird nun fleißig debattiert. Zahlreiche US-Newsseiten und TV-Sender zeigen zurzeit die Bilder.

Skeptiker verweisen auf die seltsam langsame Reaktion der Männer, auf ihr trunken wirkendes Gekicher, und tippen auf ein "Fake", eine Fälschung. Andere können berichten, dass solche Szenen im Hafen von Cabo auf der zu Mexiko gehörenden Halbinsel Baja California gar nicht so ungewöhnlich seien: "Pancho" der Seelöwe, sei ein "Resident", ein Anwohner. Ein stadtbekannter Seelöwe, der im Hafen lebe und auch immer wieder einmal etwas stehle.

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Möglich ist das alles. Dass Seelöwen Anglern und Fischern Konkurrenz machen, sich zudem gern an ihrem Fang bedienen, ist eine dokumentierte Tatsache. Und es ist der Grund, warum Seelöwen vor Kaliforniens Küsten gerade auch in weit weniger heiterer Hinsicht Schlagzeilen machen.

Seit Anfang Oktober die Saison für die Kalmar-Fischerei begann, häufen sich auch wieder die Fälle tot angeschwemmter Seelöwen. Mitte Oktober fand man allein an Malibus Stränden drei tote Tiere. Das besondere daran: Sie wurden erschossen. Einem der Tiere steckten vier Kugeln eines großen Kalibers im Körper. So tötet ein schlechter Schütze - oder ein sehr wütender.

Auf See lacht keiner über diebische Robben

Darüber, wer die Täter sein könnten, gibt es keine Debatten. Auf See sind Seelöwen und menschliche Fischer direkte Konkurrenten. Entlang der amerikanischen Westküste haben sich Seelöwen auf alles spezialisiert, was die Wasser hergeben und auch für Menschen attraktiv ist - von Lachs bis zu Kalmaren.

Weil sie Fischern die Beute oft genug direkt aus dem Netz oder von den Leinen stehlen, ist es den Fischern erlaubt, Lichter und Lärm zur Abschreckung einzusetzen. Ein Abschuss der geschützten, je nach Art oft als bedroht klassifizierten Tiere ist hingegen ein Verbrechen, das mit empfindlichen Geldbußen oder sogar Haft bestraft wird.

Trotzdem weisen in normalen Jahren vier bis sechs Prozent aller tot gefundenen Robben an Kaliforniens Küsten Schusswunden auf. Die Abschüsse beginnen stets, wenn auch die Fangsaison auf Fische beginnt, um die Robben und Menschen konkurrieren. Vertreter von Fischereiorganisationen bestreiten, dass es in diesem Jahr schon Seelöwen-Abschüsse durch Fischer gegeben habe.

Doch der Konflikt zwischen den menschlichen und tierischen Nahrungskonkurrenten könnte in diesem Jahr ganz besonders heftig ausfallen. Dafür sprechen zwei Trends, die sich auf fatale Weise zu ergänzen drohen: Die Zahl der Seelöwen und Seehunde vor Amerikas Westküste ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Im Fall der Stellerschen Seelöwen - mit bis zu 1100 Kilogramm Gewicht die größte Art der Ohrenrobben - sogar soweit, dass die Art von der Liste der bedrohten Arten gestrichen wurde.

Pancho lebt von Tricks

Zugleich aber ist 2013 ein schlechtes Jahr für Robben - und damit auch für Fischer. Kaliforniens Seelöwen hungern, über 1400 Jungtiere landeten in diesem Jahr schon ausgemergelt und dehydriert als angeschwemmte Heuler in Veterinär- und Aufzuchtstationen. Die Zahlen erreichten je nach Bezirk schon Ende März Rekordhöhen bis zum dreizehnfachen Niveau, das sonst im Jahr üblich ist .

Pancho der Seelöwe im Hafen von Cabo hat solche Probleme nicht. Die vielleicht plausibelste Erklärung dafür, warum er möglicherweise einen so dreisten Diebstahl vom Rand eines Bootes wagte, ist die, dass dies für ihn wohl Business as usual sein könnte: Hauptsächlich, sagen Pancho-Kenner, lebe das Tier von Fischern, die es mit ihrem Beifang fütterten. Wer Kunststückchen kann, wird wohl nicht erschossen.

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