Kambrische Explosion Der Pfeilwurm ebnete den Weg
Die Evolution stellt - glaubt man Darwin - einen eher kontinuierlichen Prozess dar: Das Leben entwickelt sich fortwährend weiter, und die am besten angepassten Lebensformen haben dabei die besten Chancen. Doch im Laufe der Erdgeschichte mussten Paläontologen auch immer wieder Sprünge feststellen.
Einen der größten Einschnitte stellt dabei die so genannten Kambrische Explosion dar. Der Übergang vom Proterozoikum zum Kambrium vor rund 540 Millionen Jahre hat die Tierwelt offenbar gründlich revolutioniert. Während zuvor hauptsächlich Einzeller die Erde regierten, übernahmen in relativ kurzer Zeit komplexe Vielzeller die Regie; Schnecken, Würmer, Muscheln und Insekten entstanden.
Mehr noch: Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass während des vielleicht größten Sprungs der Evolution, die Grundlagen aller Tierstämme geschaffen wurden. Somit müssten vor mehr als einer halben Milliarde Jahren auch die Vorfahren der Wirbeltiere - und damit der Menschen - entstanden sein.
Zwei Forscher vom Institut für Geologie und Paläontologie im chinesischen Nanjing glauben jetzt, einen weiteren Beweis für diese These entdeckt zu haben - in Form eines versteinerten Pfeilwurms. Das zwei Zentimeter lange Geschöpf, das in etwa 700 Meter Tiefe im Wasser schwebt, existiert heute in rund 100 verschiedenen Arten. Doch bislang war nur ein entsprechendes Fossil bekannt, das zudem extrem schlecht erhalten war. Ob es sich dabei tatsächlich um einen kambrischen Vorfahren der heutigen Pfeilwürmer handelt, wird bislang nur unter Vorbehalt behauptet.
Anders beim Exemplar, das die chinesischen Paläontologen nun entdeckt haben. Es weist bereits deutliche Eigenschaften der heutigen Pfeilwürmer auf - darunter zahnähnliche Strukturen am Kopf und eine Art Haube zwischen Kopf und Körper. Auch wenn es sich um ein Einzelexemplar handelt, schließen die Forscher daraus, dass "alle heute lebenden Tierarten im Kambrium oder sogar schon früher aufgetaucht sind".