Keim-Rekord Biologen erwecken uralte Lotussamen
Jahrhunderte lagen die Lotussamen in einem ausgetrockneten See im nordöstlichen China, bis die US-Biologin Jane Shen-Miller sie einsammelte. Mit ihren Kollegen hat die Forscherin von der University of California in Los Angeles die uralten Körner keimen lassen - mit einem überraschenden Resultat.
Wie das internationale Team in der Fachzeitschrift "American Journal of Botany" berichten, gingen alle der vier getesteten Samen auf. Nach Angaben der Wissenschaftler ist es das erste Mal, dass aus so alten Samen - eine Datierung mit der Radiokarbonmethode ergab 200 bis 500 Jahre - Sprösslinge gezogen werden konnten.
Die zeigten jedoch allesamt Missbildungen: Im Gegensatz zu den normalen Wasserpflanzen waren die Rekord-Gewächse klein und schwächlich, wiesen Verfärbungen an den Blättern auf und konnten über ihre dünnen Stiele nicht genügend Nahrung aufnehmen. Wahrscheinlich gehen diese Mutationen, so Shen-Miller, auf die natürliche radioaktive Strahlung des Bodens zurück.
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"Dass alle Pflanzen abnormal waren, ist bei einer so geringen Strahlungsbelastung jedoch erstaunlich", meint die Biologin. "Krebspatienten erhalten an einem Tag das 20-Fache der Strahlendosis, der die Lotussamen in Jahrhunderten ausgesetzt sind."
Trotz der Missbildungen hatte die Strahlung keine Auswirkung auf die Keimfähigkeit der Samen. Nach Ansicht des Teams muss der Lotus daher in der Lage sein, im Laufe von Jahrhunderten auftretende Keimdefekte selbst zu heilen. Wenn die Forscher den genetischen Reparaturmechanismus entdecken, könnte er Shen-Miller zufolge in Getreidearten verpflanzt werden, deren Samen nur wenige Jahre haltbar sind.