Klimapolitik Bush wird von Parteifreunden attackiert
Die Wortwahl ließ an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig: Im Kampf gegen die globale Erwärmung versagten die Vereinigten Staaten nicht nur in ihrer Führungsrolle. Die US-Politik sei auch "unehrlich" und "selbstzerstörerisch". Diese Kritik kommt nicht von linksgerichteten Umweltfreunden, sondern von sechs ehemaligen Chefs der Environmental Protection Agency (EPA), der Umweltschutzbehörde der US-Regierung. Und: Nur einer von ihnen gehört zur Demokratischen Partei, alle anderen sind Republikaner und damit Bushs Lager zugehörig.
"Wir brauchen Führung, aber ich denke nicht, dass wir sie derzeit bekommen", sagte Russel Train, EPA-Chef unter den Präsidenten Nixon und Ford, bei einer Tagung in Washington. Bill Ruckelshaus, erster Leiter der 35 Jahre alten Umweltbehörde, sprach Bush gar den Willen zu einer vernünftigen Klimapolitik ab: "Ich glaube nicht, dass es in dieser Regierung ein Bekenntnis dazu gibt."
Das Weiße Haus unter George W. Bush ist so sehr mit der wissenschaftlichen Gemeinde verkracht wie kaum eine Regierung zuvor - vor allem, aber nicht nur wegen ihrer Klimapolitik. Erst vor kurzem räumte Bush erstmals überhaupt ein, dass die globale Erwärmung vom Menschen zumindest mitverursacht sein könnte. Dennoch weigern sich die USA als weltweit größter Verursacher von Treibhausgasen beharrlich, dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz beizutreten.
Vor diesem Hintergrund ist es durchaus pikant, dass sich der jetzige EPA-Chef Stephen Johnson bei der gestrigen Podiumsdiskussion mit seinen fünf Amtsvorgängern einig erklärte, der Mensch trage eine bedeutende Mitschuld am Klimawandel. Zugleich betonte Johnson, dass die Regierung Bush durchaus gewillt sei, Maßnahmen gegen die globale Erwärmung zu ergreifen.
Das genügte seinen Vorgängern nicht. Die bloße Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes sei nicht genug, betonte Train. "Es ist selbstzerstörerisch, sich zurückzulehnen und zu sagen, wir kümmern uns später einmal darum." Lee Thomas, EPA-Chef unter Präsident Ronald Reagan, sieht die USA auf dem Weg in die internationale Isolation. "Wenn sich die Vereinigten Staaten in ihrer Führungsrolle nicht solchen Themen annehmen, werden sie außen vor bleiben."
Die deutlichsten Worte fand Christie Whitman, die erste von drei EPA-Leitern unter George W. Bush. "Man muss schon in einem Erdloch leben, um zu glauben, dass die Landveränderungen, das Waldsterben und die Luftverschmutzung einen wahrscheinlich natürlichen Trend nicht verstärkt haben", sagte sie. Der Mensch habe einen "enormen Einfluss" auf die Erwärmung der Erde.
Carol Browner, EPA-Leiterin unter Präsident Bill Clinton, attackierte Bush für dessen ständigen Verweis auf eine Minderheit unter Wissenschaftlern, die noch immer glaubt, den Menschen treffe keine Mitschuld am Klimawandel. "Wenn wir darauf warten, dass auch der letzte Wissenschaftler mit einer Meinung zum Klimawandel endlich umschwenkt, werden wir nie etwas tun."