Korallensterben Tödlicher Staub
Das vermutet zumindest der Geologe Eugene A. Shinn vom US Geological Survey. Shinns Tatverdächtiger scheint zunächst weit hergeholt: Mehrere hundert Millionen Tonnen Staub werden jedes Jahr aus Nordafrika aufgewirbelt und vom Wind über den Atlantik nach Amerika getragen ein gigantisches Förderband mit Naturdünger: Im dicht bewaldeten Amazonasbecken regen die fliegenden Nährstoffe wie Eisen und Schwefelverbindungen das Wachstum an in der Karibik dagegen profitieren vor allem Algen, welche die empfindlichen Korallen überwuchern.
Afrikanische Sommer mit besonders heftigem Staubtransport wie etwa 1983 und 1987 werden begleitet von besonders heftigem Sterben in der Karibik, zum Beispiel von Geweih-Korallen oder Diadem-Seeigeln.
Inwieweit der Korallentod auch von der Aufheizung des Meeres durch den El-Niño-Effekt beeinflusst wurde, ist noch unklar. Sicher ist, dass die afrikanische Dreckschleuder nicht nur große Mengen Quecksilber über den Atlantik katapultiert (möglicherweise aus dem Tagebau in Algerien), sondern auch Pestizide, die in vielen Ländern verboten sind. Hunderte von Mikroorganismen tummeln sich in jedem Gramm Himmelsdreck. 1989 wurden sogar afrikanische Heuschrecken vom Wind nach Trinidad getragen, schreibt Shinn.
Hinweise auf die Risiken und Nebenwirkungen der Luftfracht gibt es schon lange spätestens seit Charles Darwin die Wirkung des ungesunden Staubs 1846 in der Nähe der Kanarischen Inseln beobachtete.