Wahl eines Sexualpartners Wenn es heiß ist, nehmen Leguane jeden
Ein Kielschwanzleguan-Männchen auf einem Ast: Die Tiere passen ihr Verhalten der Hitze an
Foto: G. Fischer / blickwinkel / IMAGODie Klimakrise beeinflusst, wie sich etwa Wasserschildkröten oder Vögel fortpflanzen. Das ist schon länger bekannt. Weniger Aufmerksamkeit haben diesbezüglich bisher Eidechsen bekommen. Eine Untersuchung aus Argentinien weist nun daraufhin: Auch Leguane verhalten sich bei höheren Temperaturen anders als sonst. Sie investieren weniger Zeit, um den besten Sexualpartner zu finden. Damit ist stärker vom Zufall abhängig, welches Weibchen sich mit welchem Männchen paart. Schon wenige Grad Celsius machen den Unterschied.
Die Studie wurde im Fachmagazin »Plos One « veröffentlicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nationalen Universität Córdoba und des argentinischen Nationalen Rats für wissenschaftliche und technologische Forschung haben dafür untersucht, wie sich Leguane in unterschiedlich warmen Umgebungen verhalten.
In zwei Experimenten haben die Forschenden gefilmt, wie lange sich die Tiere in ihrem Unterschlupf aufhalten, mit Artgenossen interagieren oder einen möglichen Sexualpartner auswählen. Elf Tage Videomaterial haben sie insgesamt gesammelt und mithilfe einer Software ausgewertet.
Als Versuchsobjekt dienten Riesenkielschwanzleguane, von Fachleuten auch Tropidurus spinulosus genannt. Üblicherweise leben diese in Gruppen in felsigen Vorsprüngen und mögen es warm, am liebsten um die 33 Grad Celsius. Als wechselwarme Tiere können sie ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren und sind von der Außentemperatur abhängig. In den Experimenten wurden sie bei verschiedenen Temperaturen zwischen 20 und 40 Grad Celsius beobachtet.
Farbe und Gewicht des Partners waren weniger relevant
Die Auswertungen zeigten, dass sich die Leguane in wärmerer Umgebung anders bewegen: Sie waren stärker am Vormittag und am Nachmittag aktiv, verteilten ihre Aktivität also auf zwei Zeiträume. Die Tiere in der kälteren Umgebung hingegen waren eher zur Tagesmitte aktiv.
Außerdem verbrachten die Leguane unter wärmeren Bedingungen mehr Zeit in ihrem Unterschlupf und interagierten so kürzer mit ihren Artgenossen. Faktoren, die sonst für die Partnerwahl wichtig sind, wie die Farbe oder das Gewicht des Gegenübers, spielten in wärmeren Umgebungen eine kleinere Rolle als in kühleren. Die Folge laut Studie: eine »überstürzte Partnerwahl«. Solches Verhalten sei damit erstmals für Eidechsen nachgewiesen worden, heißt es weiter.
Dass die Leguane mehr Zeit in einem Unterschlupf verbringen und ihre Verhaltensmuster ändern, deutet den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge darauf hin, dass die Tiere die höheren Temperaturen nicht über längere Zeit ertragen können. Dass die Weibchen trotzdem einen Sexualpartner wählen, könnte mit der kurzen Zeit zusammenhängen, in der sie sich fortpflanzen können, heißt es in der Studie. Männchen hingegen müssten die Partnerwahl verkürzen, um ihre Spermien zu schützen, die bei hohen Temperaturen weniger leistungsfähig sein könnten.
Was die zufälligere Partnerwahl nach sich zieht, ist den Forschenden zufolge noch unklar. Sie vermuten jedoch Auswirkungen auf die Merkmale der Leguane sowie die Entwicklung der Population.