Libanon: Erstes Satellitenbild des Ölteppichs - DER SPIEGEL
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Libanon Erstes Satellitenbild des Ölteppichs

Die Bundesregierung prüft, ob und wie Deutschland gegen die Ölpest vor der libanesischen Küste helfen kann. Aus dem All konnten europäische Forscher unterdessen das ganze Ausmaß der Verschmutzung dokumentieren.
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Solange im Libanon gekämpft wird und Menschen sterben, hat die Ölpest an der Küste wenig Priorität - Experten und Umweltschützer sind hilflos. Dabei hat die Regierung und Beirut bereits die EU-Staaten um Hilfe gebeten, die nun mögliche Maßnahmen gegen die Ölpest diskutieren.

Im Auswärtigen Amt in Berlin wird derzeit geprüft, wie Deutschland seine Fachkenntnisse zur Verfügung stellen kann. Das bestätigte eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber SPIEGEL ONLINE. Sie sagte, die Bundesregierung sei sich der kritischen Lage vor der libanesischen Küste bewusst.

Die Umweltkatastrophe an Libanons Küste haben Offizielle und Umweltschützer mit großen Tankerunglücken verglichen - etwa mit dem der "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska, der "Haven" 1991 im Golf von Genua oder der "Erika" 1999 vor der Bretagne. Der Ölteppich hatte sich nach israelischen Luftangriffen auf die Öltanks eines küstennahen libanesischen Kraftwerks vor zwei Wochen gebildet.

Nach Einschätzung des libanesischen Umweltexperten Wael Hmaidan kann das Öl Schäden und Folgekosten in Höhe von rund 200 Millionen Euro verursachen. Unter den Umweltschutzorganisation im Libanon sei die Entschlossenheit gewachsen, ungeachtet der israelischen Angriffe die Aufräumarbeiten zu starten. "Das Problem ist so gravierend und die absehbaren Folgen eines weiteren Abwartens so katastrophal, dass uns die Bomben inzwischen egal sind", sagte Hmaidan, der als Berater für regierungsunabhängige Umweltschutzorganisationen tätig ist.

Zu den international anerkannten Kapazitäten, die Deutschland auf dem Gebiet der Ölpestbekämpfung hat, zählt das Havariekommando in Cuxhaven. Mit Experten und Gerät steht es eigentlich für den Einsatz bei Tankerunfällen bereit.

Ulf Bustorff, Fachbereichsleiter für Schiffsunfälle und Schadstoffbekämpfung in Cuxhaven sagte, aufgrund der Kampfhandlungen sei an eine Beseitigung des Ölteppichs durch deutsche Experten derzeit nicht zu denken. "Zudem muss es auch eine Sicherheitsgarantie geben", sagte Bustorff. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kollegen aus irgendeinem Verschlag schauen wollen - als Geiseln der Hisbollah."

Erste Satellitenaufnahme des Ölteppichs

Wenigstens aus dem All konnten die Europäer schon konkrete Hilfestellung leisten. 700 Kilometer über der libanesischen Mittelmeerküste fing das "Modis"-Instrument an Bord des Nasa-Satelliten "Terra" das Sonnenlicht auf, das von der schwarzen Masse auf dem Meerwasser ins All reflektierte wurde. "Öl ändert die Oberflächenspannung des Wassers", sagte Stefan Voigt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu SPIEGEL ONLINE. "Die Wellen werden dadurch ruhiger und reflektieren das Sonnenlicht anders."

Voigt und seine Kollegen vom Fernerkundungsdatenzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen haben die erste Satellitenkarte der Ölverschmutzung vor der Küste Libanons erstellt. Auf eine ältere Aufnahme aus dem Jahr 2000 zeichneten sie die nun verschmutzte Fläche mit roter Schraffur ein: Ein 130 Kilometer langer und teilweise über 30 Kilometer breiter Streifen zieht sich von der Stadt Sidon bis nach Syrien im Norden an der Küste entlang.

An weiten Stellen habe der Ölteppich auch den Strand erreicht, sagte Voigt. Hundertprozentig sicher könnten die Experten das jedoch erst mit neueren Daten sagen. "Modis" hat eine maximale Auflösung von 250 mal 250 Metern - im Einzelfall ist das zu grob. Die Karte verschaffe ein erstes räumliches Bild vom Ausmaß der Ölpest. "An vielen Stellen ist der Ölteppich großflächig und geschlossen", sagte Voigt, "auch dickere Schlieren können wir feststellen." Die Menge sei jedoch aus dem All schwer abschätzbar, denn wie dick die zähe Masse an der Meeresoberfläche ist, verraten die Daten den Forscher nicht.

Drei weitere Satelliten sind in Gang gesetzt: Der europäische "Envisat", "Radarsat" aus Kanada und "Alos" von der japanischen Weltraumbehörde werden die verschmutzte Küste überfliegen. Mit deren höher auflösenden Radardaten - für die auch Wolken kein Hindernis sind - können die Auswerter in Oberpfaffenhofen dann das Ausmaß der Verschmutzung auch im Detail präzise abbilden. Außerdem würden die "Modis"-Daten aktualisiert, so dass auch die räumliche Entwicklung des Ölteppichs verfolgt werden könne, sagte Voigt.

Über den Austausch von Satellitendaten und die Zusammenarbeit im Fall von Katastrophen wie Waldbränden, Überschwemmungen oder einer Ölpest hatten sich mehrere Weltraumbehörden im Oktober 2000 in der internationalen Charta "Space and Major Desasters" verständigt. Am vergangenen Samstag hatte die EU-Kommission die Hilfe der Charta-Mitglieder angefordert.

stx/dpa