Lieblingsbeute: Orcas sind beim Futter wählerisch - DER SPIEGEL
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Lieblingsbeute Orcas sind beim Futter wählerisch

Große Schwertwale können im Prinzip alle möglichen Meeresbewohner jagen - vom kleinen Fisch bis zur Robbe. Doch sie haben sich mitunter so stark auf eine bestimmte Beute spezialisiert, dass sie nicht einmal mehr auf andere Tiere ausweichen, wenn diese Nahrungsquelle knapp wird.
Kampf um Leben und Tod: Ein Orca jagt an der Küste Patagoniens einen Seelöwen
Kampf um Leben und Tod: Ein Orca jagt an der Küste Patagoniens einen Seelöwen

Kampf um Leben und Tod: Ein Orca jagt an der Küste Patagoniens einen Seelöwen

Foto: REUTERS/ Turismo Chubut
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Orcas stehen in der Nahrungskette der Ozeane ganz oben und haben selbst so gut wie keine natürlichen Feinde. Nicht umsonst heißen die schwarzweißen Wale mit wissenschaftlichem Namen Orcinus orca - der Orkus ist in der griechischen Mythologie die Unterwelt. Aber obwohl die Orcas fast jeden anderen Meeresbewohner verspeisen können, reagieren sie sehr sensibel, wenn ihre bevorzugte Beute knapp wird. Dies haben Forscher der University of British Columbia in Vancouver durch genetische Untersuchungen und statistische Analysen herausgefunden.

John Ford und seine Kollegen setzten Populationszahlen des Großen Schwertwals mit Daten des Königslachses in Beziehung, der von einigen Orca-Gruppen bevorzugt gejagt wird. Dabei zeigte sich ein Trend, der sich die vergangenen 25 Jahre zurückverfolgen lässt: Die Walpopulationen folgen den Fluktuationen der Lachspopulationen, wie die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters"  der Royal Society in London berichten.

Orcas werden je nach ihrem Jagdgrund in drei Gruppen eingeteilt: in wandernde Killerwale, in sesshafte Tiere, die ständig vor bestimmten Küstenabschnitten jagen, sowie in sogenannte Offshore-Killerwale, die das offene Meer bewohnen. Die Forscher untersuchten zwei sesshafte Populationen mit Revieren vor Kanada und Nordamerika, die seit den siebziger Jahren überwacht werden. Dabei stellten sie fest, dass die Wale offenbar stärker von einer bestimmten Nahrungsquelle, dem Königslachs, abhängig sind als bisher angenommen.

Die Vorliebe der Orcas für Lachs ist schon länger bekannt, aber Forscher gingen bisher aber davon aus, dass die Wale problemlos auf andere Beutetiere ausweichen können, wenn der Lachs knapp wird. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass dies zumindest für die sesshaften Gruppen vor Kanada nicht der Fall ist.

Spezialisierung sorgt für Abhängigkeit

Orcas gelten als äußerst raffinierte Jäger: Sie jagen ihre Beute über Dutzende Kilometer im Rudel - und holen auf Eisschollen liegende Robben mit eigens erzeugten Wellen ins Wasser, um sie dann aufzufressen. Die Verhaltensweisen der Killerwale werden innerhalb der stabilen matriarchalischen Gruppen, in denen sie zusammenleben, weitergegeben. Die Bindung innerhalb einer Gruppe sei sehr eng und genauso wie gruppeninterne Singmuster sei auch das Jagdverhalten ein Mechanismus, der eine Gruppe zusammenhalte, erklären die Forscher.

Ein Nebeneffekt dieser Spezialisierung ist die hohe Abhängigkeit von einem kleinen Beutespektrum. Die Köngislachse sind durch Überfischung gefährdet und daher indirekt auch die Orcas, die letztlich an den Folgen der Nahrungsknappheit sterben können. Möglicherweise werde der Effekt noch durch das Umweltgift PCB verstärkt, das sich im Körper der Tiere anreichert, schreiben die Forscher.

hda/ddp