Mistkäfer: Große Hörner, mehr Nachwuchs - DER SPIEGEL
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Mistkäfer Große Hörner, mehr Nachwuchs

Waffen sind Männersache. Nicht so bei Mistkäfern. Bislang war den Biologen nicht klar, wozu die Weibchen Hörner besitzen. Australische Forscher haben jetzt eine Antwort darauf gefunden: Die Insekten mit großen Hörnern können mehr Dung sammeln - ein wichtiger Vorteil für die Brut.
Pillendreher (Scarabäus): Je größer die Kugel, desto besser geht es dem Nachwuchs
Pillendreher (Scarabäus): Je größer die Kugel, desto besser geht es dem Nachwuchs

Pillendreher (Scarabäus): Je größer die Kugel, desto besser geht es dem Nachwuchs

Foto: Bernd_Thissen/ picture-alliance / dpa/dpaweb
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Normalerweise sind es im Tierreich die Männchen, die gegeneinander kämpfen und ihre Waffen zur Schau stellen - Geweihe etwa, oder Hörner. Mistkäfer der Art Onthophagus sagittarius bilden eine Ausnahme. Denn dort tragen auch die Weibchen Hörner. Bisher wussten Biologen jedoch nicht, wozu.

Forscher gingen davon aus, dass meist Männchen über solche sekundären Geschlechtsmerkmale verfügen, weil das dem konventionellen Paarungsverhalten entspricht: Ein besonders hübsches Federkleid erregt eher die Aufmerksamkeit beim Weibchen; mit einem besonders großen Geweih hat das Männchen gegenüber dem Nebenbuhler mehr Erfolg. Die Bildung aufwendiger Verzierungen oder Waffen bei den Weibchen wäre damit unnötig und könnte sogar zu reduzierter Fruchtbarkeit führen, so die gängige Meinung der Wissenschaftler.

Die Weibchen der Kotkäfer jedoch setzen ihre Hörner nicht etwa im Kampf um Männchen ein, sondern um sich bei der Brutpflege einen Vorteil gegenüber anderen Weibchen zu verschaffen: Tiere mit großem Horn gelangen zu mehr Mist und verteidigen ihre Brut erfolgreicher als Käfer mit kleineren Hörnern. Das haben australische Forscher entdeckt, als sie das sekundäre Geschlechtsmerkmal der weiblichen Kotkäfer und dessen Funktion genau unter die Lupe nahmen.

Kleine Dungkugeln liefern weniger Nahrung für die Larven

Die Fähigkeit, genügend Dung sammeln zu können, ist für das Fortbestehen der Tiere absolut zentral: Nachdem sie ihn zu Kugeln gedreht haben, legen sie nämlich in jeden Ball ein Ei ab, berichten die Wissenschaftler um Nicola Watson von der University of Western Australia in Crawley im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" . Werden die Dungkugeln zu klein, finden die Larven zu wenig Futter und entwickeln sich zu schwachen Käfern.

Für ihre Experimente maßen die Wissenschaftler die Größe der untersuchten Kotkäferweibchen sowie die Länge ihres Horns und teilten die Tiere in drei verschiedene Größenkategorien ein. Danach ließen sie die Käfer Eier legen, wobei 60 Weibchen alleine brüten durften. 60 weitere Tiere mussten ihre Brutkammer jeweils mit zwei Konkurrentinnen teilen, was den Wettbewerb um Mist und den Verteidigungsdruck der eigenen Eier stark erhöhte.

Kotkäferweibchen, die im Wettbewerb mit anderen Weibchen standen, legten viel weniger Eier als die übrigen Tiere, entdeckten die Forscher. Die Konkurrenzsituation führte dazu, dass diese Käfer weniger Mist für sich beanspruchen konnten: Gegenspielerinnen klauten den Weibchen ihre schon gedrehten Kugeln, stahlen Dung oder ersetzten fremde Eier durch eigene. Im Kampf um die Mistressourcen spielten die Größe der Tiere und die Länge ihrer Hörner eine wichtige Rolle, erklären die Wissenschaftler. Kleinere Weibchen konnten sich kaum fortpflanzen, wenn größer gewachsene Rivalinnen vorhanden waren und ihnen den Mist streitig machten. Für große Tiere hingegen hatte der Konkurrenzkampf nicht gleich starke Einbußen in der Fortpflanzung zur Folge.

Waren die im Wettbewerb stehenden Käfer jedoch ungefähr gleich groß, war die Hornlänge ausschlaggebend: Je länger das Horn der Weibchen, desto leichter erkämpften sie sich Mist und desto mehr Eier konnten sie erfolgreich ablegen.

cib/ddp

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