Möwen beklauen Enten bei der Nahrungssuche: Mundraub am Haff - DER SPIEGEL
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Möwen beklauen Enten Mundraub am Haff

Bei der Nahrungssuche verlassen sich Möwen am Stettiner Haff auf andere Vögel. Sie sammeln sich in der Nähe von Enten - und warten auf den entscheidenden Moment.
Möwen jagen Enten: Fall von Kleptoparasitismus
Möwen jagen Enten: Fall von Kleptoparasitismus

Möwen jagen Enten: Fall von Kleptoparasitismus

Foto: Chris Gardner / AP
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Möwen stibitzen Enten am Stettiner Haff Muscheln direkt vom Schnabel weg. Sie selbst seien schlechte Taucher und könnten die Schalentiere nicht erreichen, schreiben polnische Forscher im Fachmagazin "The Auk: Ornithological Advances" .

Manche Möwen begnügen sich demnach mit fallengelassenen Resten, andere aber begehen direkten Mundraub - ein Fall von sogenanntem Kleptoparasitismus.

Die Forscher um Dominik Marchowski von der Universität Stettin hatten von Oktober 2013 bis November 2014 gezielt das Verhalten der Silbermöwen (Larus argentatus) und Sturmmöwen (Larus canus) in dem Brackwassergebiet an der deutsch-polnischen Grenze beobachtet. Zudem analysierten sie Kotproben der Vögel. Analysiert wurde vor allem, wie die Möwen auf die Ankunft am Haff überwinternder Tafelenten (Aythya ferina), Reiherenten (A. fuligula) und Bergenten (A. marila) reagierten.

Diese Tauchenten holen Wandermuscheln (Dreissena polymorpha) aus der Tiefe, die dort an Pflanzen und Steinen wachsen. Mehr als 80 Prozent der Entengruppen, bei denen Tiere gerade auf Nahrungssuche waren, wurden von Möwen begleitet, beobachteten die Forscher.

Mit zehn Prozent mehr fressenden Enten verdoppelte sich die Zahl der Möwen etwa, errechnete das Team. Ihr Verhalten ließ sich zwei Kategorien zuordnen: Einige der Möwen begnügten sich mit Muschelbrocken, die Enten fallengelassen hatten. Andere hingegen schnappten den Tieren die Beute direkt vorm Schnabel weg.

Attacke aufs Fischbrötchen

Auf beide Arten eroberten sich die Möwen eine Futterquelle, an die sie selbst nie herankämen, schreiben die Forscher. Ihre Ernährung verändert sich demnach dramatisch, sobald die Enten in ihrem Winterquartier auftauchen: Die Kotproben zeigten, dass der Anteil der Fischgräten darin von mehr als 90 auf weniger als ein Prozent sank, der von Muschelschalen hingegen von zwei auf 99 Prozent stieg. Geklautes Futter überwog offenbar bei Weitem.

Das Beispiel der schmarotzenden Möwen verdeutliche, dass diese Vogelgruppe zu den anpassungsfähigsten überhaupt zähle, so das Fazit der Forscher. Die Tiere nutzten nicht nur eine immense Spanne an Nahrungsquellen, sondern reagierten auch rasch auf neue Möglichkeiten. Die Wandermuschel ist eine sehr konkurrenzstarke Art, die sich in den vergangenen Jahrzehnten stark ausgebreitet hat.

Fische hingegen sind im Haff in den Wintermonaten schwerer zu finden, weil sie in tieferen Wasserschichten ruhen und weil sich neben den Enten auch Zehntausende fischfressende Vögel an dem Gewässer im Mündungsbereich der Oder einfinden.

Kleptoparasitismus ist bei Möwen ein weit verbreitetes Phänomen - aber auch viele andere Arten sind als diebische Schmarotzer aktiv. Afrikanische Trauerdrongos zum Beispiel erschrecken mit falschen Warnschreien andere Tiere, um an deren Futter zu gelangen.

Hierzulande sind unter anderem Seeadler mitunter als Kleptoparasiten unterwegs: Sie jagen anderen fischfressenden Vögeln wie Fischadlern ihre Beute ab. Auch Milane und Fregattvögel stehlen anderen Vogelarten gern ihr Futter. Weit verbreitet ist das Wegnehmen von Nahrung oder Baumaterial zudem bei Insekten.

Auch Touristen mancher Badeorte kennen das Phänomen: Herabstürzende Möwen reißen ihnen mitunter den Fisch aus dem Fischbrötchen.

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Annett Stein, dpa/boj

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