Mount St. Augustine Vulkan speit Blitzkaskaden
Dass Vulkane zu beeindruckenden Lichterscheinungen fähig sind, wissen Forscher spätestens seit einigen Jahrzehnten. 1963 und 1973 wurden solche Blitze erstmals bei den Vulkanen Surtsey und Heimay auf Island beobachtet. Und obwohl das Thema die Wissenschaftler geradezu elektrisierte, sind die Mechanismen hinter den Vulkanblitzen kaum verstanden.
Vulkanologen von den Langmuir Laboratories, New Mexico Tech in Socorro und der University of Alaska ist es nun aber gelungen, die rätselhaften Lichterscheinungen genauer zu untersuchen. Als der Mount St. Augustine in Alaska Mitte Januar 2006 zweimal ausbrach, aktivierte das Team von Ed Clark zwei Messstationen in rund hundert Kilometer Entfernung vom aktiven Vulkan. Dort bereitete man sich darauf vor, die Richtung der elektromagnetischen Strahlung zu bestimmten, die bei elektrischen Entladungen emittiert wird.
In der Nacht vom 27. zum 28 Januar war es dann soweit: Obwohl die Blitze wegen des stürmischen Wetters selbst nicht zu sehen waren, fingen die Wissenschaftler zumindest ihre elektromagnetischen Spuren auf. Zu ihrem eigene Erstaunen bestand das Vulkangewitter aus zwei Blitzphasen.
Die erste, bislang unbekannte Phase bestehe aus einigen kleinen Blitzen, die durch elektrische Entladungen des Vulkanauswurfes direkt während der Explosion entstehen, schreiben Clark und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science". Die Netto-Ladung, die den Vulkan verlasse, sei offenbar positiv.
Ursache der zweiten Blitzphase, die sich länger hinziehe, seien aufgeladene Teilchen innerhalb der Rauchfahne. Die zweite Phase bestand aus rund 300 kleineren Entladungen. Die Richtung, aus der diese Blitze kamen, verschob sich im Laufe der Zeit immer mehr nach Süden - wie die über dem Vulkan aufsteigende Rauchwolke auch. Die Entladungen hätten deshalb zweifelsfrei in der Rauchwolke stattgefunden, schreiben die Forscher. Die Wolke habe sich bis in zehn Kilometer Höhe erstreckt.
Auch wenn die Wolke durch die Explosion zweifelsfrei aufgeladen worden sei, so spreche vor allem das relativ späte Einsetzen der zweiten Phase etwa drei Minuten nach der Explosion dafür, dass es auch innerhalb der Wolke zu Aufladungen komme. Dies könne zum Beispiel bei Wechselwirkungen von Asche, Eis und pyroklastischem Material geschehen. Weil Vulkane auch Asche und Wasser ausspeien, bezeichnen manche Forscher Eruptionen auch als "dreckiges" Gewitter.
hda/dpa