Nachtjäger Spanische Fledermäuse fressen Zugvögel
Gewicht bis 70 Gramm, Spannweite bis 45 Zentimeter - der Riesenabendsegler gehört zu den größeren unter den Fledermäusen. Aber wovon ernährt sich dieser Nachtjäger? Von Insekten, wie die Vertreter anderer europäischer Fledermaus-Arten? Oder labt er sich auch an kleinen Zugvögeln?
Dieser Speiseplan wäre einzigartig für Fledermäuse in Europa, entsprechend laut war der Streit, als spanische Biologen 2001 im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academies of Sciences" mitteilten: Nyctalus lasiopterus frisst kleine Vögel. Andere Fledermausforscher protestierten. Schließlich war das Verfahren der Wissenschaftler um Carlos Ibánez aus Sevilla nicht wasserdicht: Er hatte Nyctalus-Fäkalien gesammelt, darin Federn gefunden und auf Vogel-Snacks geschlossen.
Könnte es nicht sein, dass die Ultraschall-Navigation der Tiere im Flug einzelne Federn nicht von Insekten unterscheiden könnte? 2003 argumentierte Raphael Arlettaz von der Universität Bern im Fachmagazin "Functional Ecology": Energetisch betrachtet wäre es für die Tiere sogar günstiger, versehentlich geschnappte Federn zu verschlucken als diese wieder auszuspucken. Der Schweizer Fledermaus-Experte galt als schärfster Kritiker von Ibánez. Doch konnte auch er nur Belege zeigen, keine Beweise.
Bluttests statt Kot-Proben
Also schlossen sich die Spanier und Schweizer zusammen. Denn eine Methode gibt es, um dem Jagdverhalten der Riesenabendsegler ganz genau auf die Spur zu kommen: Anhand bestimmter Kohlen- und Stickstoff-Isotope konnten sie nachweisen, dass die Riesenabendsegler tatsächlich Vögel verspeisen. Sie nahmen den Fledermäusen im Jahreslauf Blut ab und analysierten die Konzentration der Isotope.
Das Ergebnis zeigt einen saisonal unterschiedlichen Speiseplan: Riesenabendsegler ernähren sich im Frühjahr zum Teil und im Herbst ausschließlich von Singvögeln, wie die Wissenschaftler im Online-Fachmagazin "PLoS One" mitteilten. Im Sommer fressen die Fledermäuse nur Insekten. Erst im vergangenen Juni hatten Münchner Forscher herausgefunden, dass Fledermäuse ihre Opfer nicht nur per Ultraschall orten können, sondern sich auch von deren Atemgeräuschen leiten lassen. US-Wissenschaftler wollen Fledertiere künftig gar als Vorbilder für neuartige Flugzeugflügel benutzen.
Das besonders reichhaltige Vogelmenü im Herbst erklären die Forscher lakonisch: Dann kehrten nicht bloß jene Zugvögel nach Afrika zurück, die im Frühjahr nach Europa gezogen waren. Auf dem Weg nach Süden haben sie auch ihren Nachwuchs dabei. Einige der Jungvögel landen im Magen von Riesenabendseglern.
Das erklärt ein weiteres Rätsel für Fledermausforscher: Die gewaltigen Nachtjäger kommen auf der iberischen Halbinsel nur an solchen Orten vor, an denen große Vogelzugrouten entlangführen.
stx/AP