Nagelmanati Sanfte Riesen, schnelle Boote
Im Süden Floridas begegnet man ihnen an allen Ecken und Enden - wenn auch nicht in Natura. Hotels führen die Manati im Namen, Freizeitparks werben mit der eher unförmigen Seekuh, und an Wasserstraßen warnen Schilder: "Caution! Manatee Area".
Ein Hinweis, den Freizeitkapitäne ernst nehmen sollten. Denn die Nagelmanatis, große grau-braune Meeressäuger, deren nächster Verwandter der Elefant ist, werden besonders durch rücksichtlose Sportbootfahrer in ihrer Existenz gefährdet. Einmal von einer Schiffschraube erfasst, tragen die sanften Riesen schwere Verletzungen davon, die mitunter tödlich enden können.
Ein Ausweichen vor der herannahenden Gefahr ist beim Körperbau und der Lebensweise der Manatis kaum möglich. Die Tiere, die wahrscheinlich aus einem im Wasser watenden Pflanzenfresser hervorgegangen sind, treiben bis zu acht Stunden pro Tag in warmen, trüben Gewässern, wo sie zehn bis 15 Prozent ihrer Körpergewichts an Pflanzen aufnehmen können - vorwiegend in Wassertiefen zwischen einem und drei Metern. Die schnell herannahenden Sportboote können von den Manatis nur schlecht wahrgenommen werden, da ihr Gehör für diesen Frequenzbereich nicht ausgelegt ist.
Alle drei bis fünf Minuten kommen die Pflanzenfresser an die Oberfläche. Die schnellsten sind sie dabei nicht: Seekühe bringen es in der Regel auf vier bis sieben Kilometer pro Stunde, in Notfällen schaffen sie auch 30 Kilometer pro Stunde - für die meisten Sportboote immer noch zu wenig.
Gefahr für die langsamen Meeressäuger geht auch von Wehren oder Bewässerungseinrichtungen aus. Die größte Bedrohung der Tiere, die keine natürlichen Feinde haben, stellt allerdings die langsame Zerstörung ihres Lebensraumes dar. In Florida, wo die ältesten bekannten Manati-Spuren auf eine 45 Millionen Jahre zurückreichende Geschichte hindeuten, leben heute vermutlich weniger als 2000 Tiere.
Alexander Stirn