Neue Arten entdeckt: Unbekannte Krebse aus eisigen Tiefen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neue Arten entdeckt Unbekannte Krebse aus eisigen Tiefen

Sie brachen zu einer Volkszählung im antarktischen Meer auf - und kamen mit unbekannten Arten zurück. Die Forscher an Bord des deutschen Forschungsschiffs "Polarstern" fanden Tiere, von denen noch nie zuvor ein Mensch berichtete. Sie zeugen von Form- und Farbenpracht in der eisigen Finsternis.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bremerhaven - Schon auf See, wussten die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, dass sie etwas Besonderes beobachtet hatten: Erstmals hatten sie einen Tauchroboter dahin geschickt, wo bis vor kurzem dickes Eis jeden Sonnenstrahl fernhielt - und jetzt neues Leben entsteht.

Ende Januar schickten die Wissenschaftler an Bord der "Polarstern" von ihrem Rückweg nach Bremerhaven faszinierende Fotos vom Leben im antarktischen Meer nach Deutschland. SPIEGEL ONLINE zeigte eine Auswahl.

Nun ist das 52-köpfige Team von Expeditionsleiter Julian Gutt zurückgekehrt und hat eine vorläufige Bilanz der Tauchfahrten gezogen: Bislang sind 15 unbekannte Krebsarten sowie eine Seeanemonen-Art und ein neues Nesseltier gefunden worden.

"Die neuen Ergebnisse werden uns ein gutes Stück weiter bringen, um die Zukunft unserer Biosphäre im Klimawandel vorhersagen zu können", sagte Expeditionsleiter Julian Gutt. Die Reise war Teil des Census of Antarctic Marine Life (CAML) - das Projekt arbeitet unter anderem an einer Bestandsaufnahme der Arten in dieser Region.

Kalte Quelle, seltene Wale - und neue Arten

Mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs fanden die Forscher in 830 Metern Tiefe unter anderem eine kalte Quelle (Cold Seep) - daraus steigt schwefel- und methanhaltiges Wasser auf. Davon können einige hoch spezialisierte Bakterien leben, die auf diese Weise die Grundlage für eine ganze Lebensgemeinschaft legen, die völlig ohne Sonnenlicht auskommt.

Bei Walbeobachtungen sichteten die Forscher Zwergwale häufig nahe am Packeis. Die sehr seltenen Schnabelwale zeigten sich hauptsächlich rund um Elephant Island. "Es war überraschend, dass die neuen Lebensräume so schnell besiedelt werden", sagte Meike Scheidat von der Universität Kiel.

Die wertvolle Fracht - wissenschaftliche Daten und viele Tiere - ist jetzt auf dem Weg in die Heimatinstitute der Expeditionsteilnehmer aus 14 Nationen. Im September sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Die genaue Analyse wird noch Monate bis Jahre dauern.

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern war bis Ende Januar über zwei Monate im Weddellmeer, in den Gewässern rund um die Antarktische Halbinsel und in der Bransfieldstraße unterwegs. In den vergangenen zwölf Jahren waren insgesamt 10.000 Quadratkilometer Schelfeis abgebrochen. Dadurch wurden viele Bereiche des Meeresbodens freigelegt, die vorher für Schiffe unzugänglich waren.

stx/dpa

Verwandte Artikel