Ölkatastrophe: Hoffen und Bangen am Golf
Operation "Static Kill" BP stopft Ölleck mit Spezialschlamm
New Orleans - Mehr als drei Monate dauert die inzwischen. Nun hat der Ölkonzern damit begonnen, das Ölleck am Meeresboden endgültig zu verstopfen. Die Operation "Static Kill" sei am Dienstag gestartet worden, teilte BP mit. Aufgrund positiver Vortests konnte sie sogar bereits etwas früher beginnen als geplant.
Bei dem Verfahren wird speziell hergestellter Schlamm von einem Schiff aus langsam in das Bohrloch gepumpt. Anschließend soll die Öffnung mit Zement versiegelt werden. Nach Angaben von Experten läuft die Aktion bislang wie geplant. Der Druck in der Quelle sei durch das Einpumpen von Schlamm deutlich gesunken, sagte der Leiter der Operation, Bobby Bolton, am Dienstagabend. Dies sei ein gutes Zeichen. "Der Druck ist runtergegangen und scheint sich zu stabilisieren", sagte Bolton.
Der Krisenkoordinator der US-Regierung, Thad Allen, äußerte sich zuversichtlich, dass das Verfahren Erfolg hat. Es erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die geplante Entlastungsbohrung funktionieren wird, sagte Allen. Das Vorgehen sei "die einzige Lösung", der Katastrophe ein Ende zu bereiten. Das Pumpen des Füllstoffs müsse aber mit größter Umsicht erfolgen, um neue Lecks zu verhindern.
Die Operation "Static Kill" könnte mehrere Tage dauern, sagte BP-Vizepräsident Kent Wells. Im günstigsten Fall könnten es auch nur Stunden sein. Doch nach den Rückschlägen der vergangenen Monate gibt sich der Konzern zurückhaltend mit Erfolgsmeldungen. Die entscheidenden Phase bei der endgültigen Schließung des Öllecks steht laut Experten in der kommenden Woche bevor.
"Bottom Kill" soll die Entscheidung bringen
Dann soll die Operation "Bottom Kill" starten. Dabei wird durch eine Entlastungsbohrung auch am unteren Ende der Bohrleitung Schlamm und Zement eingefüllt. Seit fast drei Monaten arbeiten Ingenieure an zwei Entlastungsbohrungen. Für den Fall, dass die erste Bohrung ihr Ziel verfehlt, soll die zweite Bohrung dann in einigen Wochen eine weitere Chance offenhalten. Für die Aktion "Bottom Kill" veranschlagen Experten einige Tage bis mehrere Wochen.
Bereits jetzt steht fest, dass die Explosion der BP-Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April die größte Öl-Katastrophe aller Zeiten auslöste. Laut dem US-Krisenstab strömten innerhalb von drei Monaten rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Davon konnten demnach rund 127 Millionen Liter abgefangen werden. Erst im Juli konnte das Leck mit einer riesigen Verschlusskappe provisorisch abgedichtet werden.
Gemessen an den neuen Schätzungen über die ausgelaufenen Ölmenge droht BP eine Entschädigungsforderung der US-Regierung in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro). Pro Barrel ausgelaufenen Rohöls kann laut US-Recht eine Strafe von bis zu 4300 Dollar fällig werden. Bislang bildete BP Rücklagen in Höhe von 32,2 Milliarden Dollar.
Einen Teil der Kosten will BP offenbar auf Subunternehmer abwälzen. Nach eigenen Angaben stellte BP den Partnerfirmen Mitsui und Anadarko Rechnungen in Höhe von insgesamt knapp 1,3 Milliarden Dollar. Die wirtschaftlichen und ökologischen Gesamtschäden lassen sich bislang nur abschätzen.
Die zehn größten Öl-Unfälle auf dem Meer
| Datum | Bezeichnung | Eigner | Unglücksort | Freigesetzte Ölmenge (Tonnen) | Ursache |
|---|---|---|---|---|---|
| April 2010 | Deepwater Horizon | BP | Golf von Mexiko | 670.000 (Stand 2. August 2010) | Unglück auf Bohrinsel Deepwater Horizon. Blowout. |
| Juni 1979 | Ixtoc I | Pemex | Golf von Mexiko | 450.000 bis 480.000 | Unglück auf einer Ölplattform. Blow-out. |
| Juli 1979 | Atlantic Empress | griechisches Schiff, in Liberia registriert | vor Tobago, Karibische Inseln | 287.000 | Tankerunglück. Kollision mit dem Tanker "Aegean Captain". |
| Februar 1983 | Nowruz-Ölfeld | ? | Persischer Golf | 260.000 | Kollision Tanker mit Bohrinsel, Kriegsfolgen des ersten Golfkriegs. |
| August 1983 | Castillo De Bellver | ? | Saldanha Bay, Südafrika | 252.000 | Tankerunglück. Brand. |
| März 1978 | Amoco Cadiz | BP (GB) / Amoco (USA) | vor der bretonischen Küste | 223.000 | Tankerunglück. Ruderausfall mit anschließendem Felsenauflauf. |
| Mai 1991 | ABT Summer | ? | 1000 km vor Angola | 49.000 bis 255.000 | Tankerunglück. |
| April 1991 | Haven | Amoco (USA) | Golf von Genua, Italien | 144.000 | Tankerunglück. Brand. |
| November 1988 | Odyssey | ? | Kanada | 132.000 | Tankerunglück. Brand. |
| März 1967 | Torrey Canyon | Unocal (USA), gechartert von BP (GB) | vor der Küste Südenglands | 119.000 | Tankerunglück. Kollision mit Riff. |