Orientierung: Magnet-Maus verirrt sich nie - DER SPIEGEL
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Orientierung Magnet-Maus verirrt sich nie

Blindmäuse orientieren sich wie Vögel oder Wale am Erdmagnetfeld und finden so sicher den Weg durch ihre weit verzweigten Tunnelsysteme. Die Nager nutzen ihr Magnetsystem vor allem auf längeren Strecken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fast ihr gesamtes Dasein fristen die Ehrenberg-Blindmäuse, die in Südeuropa, Afrika und dem Nahen Osten zu Hause sind, unter Tage in völliger Dunkelheit. Ihre Augen sind von Geburt an stark zurückgebildet und von Fell überwachsen. Um sich überhaupt orientieren zu können, nutzen die Nager offenbar einen inneren Magnetkompass, schreibt ein Wissenschaftlerteam aus Israel und der Schweiz in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Ausg. 101, S. 1105).

Die Zoologen um Tali Kimchi von der Tel Aviv University hatten die Mäuse gefangen und ihr Navigationsvermögen in zwei Irrgärten getestet. Im ersten Labyrinth, einem Kreis mit acht strahlenförmig angelegten Gängen, mussten die Blindmäuse von der Mitte aus den richtigen Gang zurück zu ihrem Nest finden.

Dabei zeigte sich, dass die kleinen Nager diese Aufgabe problemlos bewältigten - bis die Forscher ein künstliches Magnetfeld errichteten. Im zweiten, rechteckigen Labyrinth bestand die Herausforderung darin, eine Abkürzung zum Ziel zu finden. Auch diese Aufgabe meisterten die Blindmäuse spielend - ehe das Magnetfeld sie in die Irre führte.

Je mehr Richtungsänderungen der Weg hatte und je länger er war, desto stärker verließen sich die Tiere auf das Erdmagnetfeld, beobachteten die Forscher. Die Nager sind nach Aussage der Zoologen die einzigen bislang bekannten Landsäugetiere mit solchen Fähigkeiten. Ansonsten nutzen nur Zugvögel, Meeresschildkröten und wahrscheinlich auch Wale das Magnetfeld zur Navigation.

Wie dies genau geschieht, ist den Wissenschaftlern bisher ein Rätsel. Manche Forscher vermuten magnetische Kristalle in den Geruchsorganen, die auf das Feld der Erde reagieren. "Vielleicht haben ja selbst wir ein solches System", sagte Kimchi dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". "Es soll ja Menschen geben, die viel Zeit in Kellergewölben verbringen und den Weg nach Norden in völliger Dunkelheit finden können."