Ostsee Pottwal auf Irrwegen
Die Angler wollten Dorsch in der Mecklenburger Bucht vor Wismar fangen. Doch plötzlich bemerkten sie Unmengen Heringe um ihr Boot. Kurz darauf hörten sie ein Schnauben: Bei glatter See konnten sie den Blas eines Wals sehen, kurz erspähten sie sogar seine Rückenfinne.
Seit einigen Wochen irrt das etwa 15 Meter lange Tier bereits in der südlichen Ostsee umher. Das Tier wurde bereits im Juli vor der Halbinsel Darß und der dänischen Insel Bornholm gesichtet. Die Angler hatten ihn zuletzt vor einer Woche gesehen.
Die Stralsunder Meereskundler vermuten, dass sich das Tier auf seiner Wanderung vom Nordpolarmeer verschwommen hat. Denn um diese Jahreszeit halten sich Pottwale lieber in subtropischen Gewässern auf. Zum ersten Mal hat sich nachweislich der größte aller Zahnwale in die Ostsee verirrt.
In der Ostsee findet der Meeressäuger nur wenig geeignete Nahrung: Zu fast 80 Prozent ernähren sich Pottwale von Tintenfischen, die sie in Tiefen von bis zu 1200 Metern jagen. Allerdings schließen Forscher nicht aus, dass sich das Tier in der ungewohnten Umgebung auch von Schwarmfischen ernähren kann.
"Ob der Pottwal von selbst wieder aus der Ostsee hinausfindet, ist dahingestellt", sagte der Vorsitzende der Dänischen Gesellschaft für Meeressäuger, Carl Kinze. "Retten kann man solche Wale nicht, auch nicht hinaustreiben.
Unterdessen bestätigte die schwedische Küstenwache die Entdeckung eines 15 Meter langen Walkadavers vor der Küste. Dabei handele es sich jedoch zweifelsfrei nicht um den Pottwal, sagte der dänische Walforscher Carl-Christian Kinze. Der Wissenschaftler aus Odense hatte den schon mindestens eine Woche lang im Wasser treibenden Kadaver untersucht und als Vertreter der Bartenwale identifiziert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei dieses Tier ein Finnwal, sagte er.