Plesiosaurier: Wassergeburt fürs Saurier-Einzelkind - DER SPIEGEL
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Urzeitlicher Meeresräuber: Schwangere Saurierdame

Foto: dapd/ Natural History Museum of Los Angeles

Plesiosaurier Wassergeburt fürs Saurier-Einzelkind

Sie waren tödliche Ozeanjäger - und offenbar liebevolle Eltern: Plesiosaurier, so zeigt eine neue Fossilanalyse, brachten ihre Kinder vermutlich lebend auf die Welt. Möglicherweise umsorgten sie ihren Nachwuchs sogar nach allen Regeln der Kunst.
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Washington - Mit ihren vier paddelförmigen Flossen waren Plesiosaurier perfekt an das Leben im Wasser angepasst. Die mehrere Meter langen Fleischfresser - kurzer Hals und lange Schnauze - dominierten die urzeitlichen Meere der Kreidezeit mehr als 100 Millionen Jahre lang. Forscher haben nun erstmals einen Beleg dafür entdeckt, dass die Tiere ihre Jungen lebend zur Welt brachten. Im Bauchraum eines 78 Millionen Jahre alten Skeletts fanden sie das Fossil eines nicht ausgereiften Jungsauriers.

"Wir interpretieren dies als schwangeres Weibchen mit ihrem ungeborenen Jungen", berichten die Forscher im Fachmagazin "Science" . Form und Verknöcherungsgrad der Relikte deute darauf hin, dass das Jungtier noch vor seiner Geburt gemeinsam mit der Mutter gestorben sei.

Plesiosaurier gehörten nicht zu den Dinosauriern, sondern sind eher mit den heutigen Echsen und Schlangen verwandt. Von anderen großen Meeresreptilien ist schon länger bekannt, dass sie ihre Jungen lebend gebaren. Für die Plesiosaurier blieb dies jedoch unklar, weil Belege fehlten. "Dieses Fossil dokumentiert zum ersten Mal die Geburt lebender Jungen bei den Plesiosauriern und löst damit endlich dieses Rätsel", sagt Studienleiter Robin O'Keefe von der Marshall University in Huntington (US-Bundesstaat West Virginia).

Wonneproppen im Sauerierbauch

Das von seinem Team untersuchte Fossil gehörte zur Art Polycotylus latippinus. Es wurde bereits 1987 in Logan County im US-Bundesstaat Kansas entdeckt. In dieser Region östlich der Rocky Mountains erstreckte sich zur Kreidezeit ein langgestrecktes, flaches Binnenmeer, das Nordamerika in Nord-Süd-Richtung teilte.

Als sehr ungewöhnlich werten die Forscher die Größe des Plesiosaurier-Jungtiers: Mit 1,50 Metern Länge war es zum Zeitpunkt seines Todes bereits ein Drittel so groß wie seine 4,70 Meter lange Mutter. Bis zur Geburt wäre es vermutlich sogar noch weiter gewachsen, schätzen die Wissenschaftler anhand der Knochenmerkmale. Das deute darauf hin, dass die Plesiosaurier-Weibchen nur jeweils ein großes Junges gebaren.

"Die Kombination von Lebendgeburt, großen Jungen und kleinem Wurf hebt die Plesiosaurier deutlich von anderen marinen Reptilien ab", sagen die Forscher. Stattdessen gebe es große Parallelen zu heutigen Walen und Delfinen - möglicherweise auch im Verhalten. O'Keefe und seine Kollegen spekulieren, dass sich die Plesiosaurier auch nach der Geburt noch intensiv um ihr Junges gekümmert haben könnten. Möglicherweise lebten sie sogar in Familiengruppen zusammen - auch wenn ein endgültiger Beweis dafür fehlt: "Noch sind mehr Belege nötig, um diese Hypothese zu prüfen."

chs/dapd

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