Pockenviren: Impfung könnte rote Eichhörnchen retten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Pockenviren Impfung könnte rote Eichhörnchen retten

In Großbritannien sterben immer mehr rote Eichhörnchen: Ihre aus den USA eingeschleppten grauen Artgenossen infizieren sie mit Pockenviren. Doch statt die grauen Nager zu keulen, könnte eine Impfung die roten Tiere retten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein friedliches Nebeneinander gibt es kaum: Während sich graue Eichhörnchen in Großbritannien massenhaft ausbreiten, nimmt die Zahl ihrer roten Artgenossen rasant ab. Auf gerade einmal 211.000 wird die Zahl der einheimischen roten Nager dort noch geschätzt, von den aus den Amerika eingeschleppten grauen gibt es in Großbritannien mittlerweile über 2,7 Millionen.

Schuld ist eine Pockenerkrankung, eine Infektion mit Parapoxviren. Diese tragen die grauen Eichhörnchen in sich, erkranken aber nicht daran - im Gegensatz zu den roten, die nach einer Ansteckung mit den Pockenviren meist sterben.

Jetzt haben britische Zoologen allerdings eine natürliche Abwehr bei einigen der einheimischen Tiere gefunden, wie die Webseite der BBC berichtet. Demnach hat eine Gruppe um Tony Sainsbury vom Institute of Zoology in London 500 tote Eichhörnchen zwischen 1993 und 2005 untersucht und ihre Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift "EcoHealth" publiziert. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie sich die Pockenviren verbreiten. Dabei überprüften sie, wie sich die Tiere gegen die Erreger wehren.

"Bis vor kurzem hatten wir bei roten Eichhörnchen nie Antikörper gegen die Viren gefunden", sagte Sainsbury der "BBC". Doch nun entdeckten die Forscher bei acht Nagern solche Antikörper. "Sie müssen irgendwann Kontakt mit den Viren gehabt haben", sagte Sainsbury. "Entweder haben sie die Krankheit gar nicht bekommen oder sie wurden krank und haben sich erfolgreich gegen die Erreger gewehrt." Das stimmt den Wissenschaftler zuversichtlich: Weil die Tiere in der Lage sind, Antikörper zu bilden, mache es Sinn, nach einem Impfstoff zu suchen.

Massenkeulung von grauen Eichhörnchen

Diese Lösung des Problems klingt weitaus milder als die martialischen Methoden, zu denen schottische Biologen Ende August gegriffen hatten: Mit der Unterstützung des schottischen Umweltministeriums hatten sie eine großangelegte Keulungsaktion grauer Eichhörnchen gestartet, um die Ausbreitung der Tiere von England nach Schottland einzudämmen.

Auf einem etwa 25 Kilometer breiten Streifen von Ost- zu Westküste versuchten die Forscher, die grauen Eichhörnchen zu eliminieren. "Die Tiere werden lebendig mit Fallen gefangen und dann in der Regel erschossen", sagte der Biologe Richard Wales im August im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er leitet das Projekt Red Squirrels in South Scotland, mit dem das Überleben der Art gesichert werden soll.

Mit so einem schnellen Schlag kann ein Impfstoff nicht dienen: Die Entwicklung dauert Jahre und ist mit hohen Kosten verbunden. Dennoch ist Zoologe Sainsbury von der Idee überzeugt: "Unsere Studie hat uns gezeigt, dass eine Impfung eine gute Chance hätte zu wirken."

hei

Mehr lesen über

Verwandte Artikel