Primatenforschung in Bolivien: Warum Affen die besseren Jodler sind - DER SPIEGEL
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Schreien wie Tarzan Warum Affen die besseren Jodler sind

Dagegen können Alpenjodler einpacken: Während der menschliche Stimmumfang bei der Sangeskunst eine Oktave umfasst, schaffen es Primaten einer Studie zufolge auf ganze dreieinhalb und ähneln dabei einem Urwaldhelden.
Ein Haubenkapuzinerbaby mit seiner Mutter
Ein Haubenkapuzinerbaby mit seiner Mutter

Ein Haubenkapuzinerbaby mit seiner Mutter

Foto: Holger Hollemann / dpa

Nicht nur beim Klettern auf Baumkronen erweisen sich Affen als Virtuosen, auch beim Erklimmen der Tonleiter zeigen sie große Kunstfertigkeit. Südamerikanische Primaten können zwischen sehr hohen und sehr tiefen Lauten wechseln, wie ein internationales Forscherteam herausgefunden hat. Dabei übertreffen sie sogar menschliche Jodler in den Alpen.

Dazu studierten die Forscher die Rufe von verschiedenen Arten von Neuweltaffen in einem Schutzreservat in Bolivien. Außerdem führten sie Computersimulationen und anatomische Untersuchungen durch, um dem Affenjodeln auf den Grund zu gehen.

Auf der Aufnahme eines Haubenkapuzineraffen (Sapajus apella) ist für das menschliche Ohr nur eine hohe Stimmlage erkennbar. Werden die Laute jedoch stark verlangsamt abgespielt, hört sich der Ruf des Äffchens so ähnlich an wie ein Tarzan-Schrei.

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Während Menschen nur etwa im Tonumfang einer Oktave jodeln können, sind es bei den untersuchten Neuweltaffen bis zu dreieinhalb Oktaven, wie das Team im Fachblatt »Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences« darlegt. Das liegt demnach an der unterschiedlichen Anatomie: Fast alle Primaten außer dem Menschen haben im Kehlkopf kleine Membranen auf den Stimmlippen.

»Je mehr Gewebestrukturen im Kehlkopf bei der Tonproduktion mitschwingen, umso eher wird diese Schwingung instabil«, sagt Hauptautor Christian Herbst von der Universität Wien der Nachrichtenagentur dpa. So tragen die Membranen der Affen an den Stimmlippen zum raschen Umschlagen zwischen hohen und tiefen Frequenzen bei.

Evolution nahm Menschen die Jodelkunst

Dass der Mensch diese Membranen im Zuge der Evolution verloren hat, hat aus Sicht der Forscher wohl mit der Entwicklung der Sprache zu tun. »Für die Sprache brauchen wir im Hals eine sehr stabile Klangquelle«, so Stimmforscher Herbst.

Während Menschen Informationen durch die Anordnung verschiedener Sprachelemente vermitteln, können Affen komplexe Signale von sich geben, indem sie die Membranen einsetzen. Was die Affen mit ihrem Jodeln kommunizieren, konnten die Forschenden bislang nicht entschlüsseln. Das zu ergründen, wäre laut Herbst »der nächste logische Schritt«.

eru/dpa