Australien: Rätsel um rosafarbene Diamanten aus Argyle-Formation gelöst - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rätsel gelöst Warum es rosafarbene Diamanten gibt

Ein einziger Fundort in Australien hatte die Welt mit rosa Diamanten versorgt. Jetzt hat ein Forschungsteam herausgefunden, wie die begehrten Edelsteine zu ihrer Farbe kamen. Das könnte helfen, neue Vorkommen zu entdecken.
Rosa Diamant aus der Argyle-Mine (Bild von 2012): Seltener Fund
Rosa Diamant aus der Argyle-Mine (Bild von 2012): Seltener Fund

Rosa Diamant aus der Argyle-Mine (Bild von 2012): Seltener Fund

Foto: DPA/ Rio Tinto

Seit November 2020 ist die Argyle-Mine geschlossen. Der Bergbaukonzern Rio Tinto befand, der Tagebau im Nordwesten Australiens sei nach 37 Jahren und dem Fund von 865 Millionen Karat Rohdiamanten wirtschaftlich erschöpft. Dabei ist Argyle der einzige bekannte Fundort für seltene und daher begehrte rosafarbene und rote Diamanten. Lange war unklar, wie es zu den außergewöhnlichen Kleinoden in Argyle kommen konnte. Ein Forschungsteam aus Australien in Zusammenarbeit mit Geologen des Bergbaukonzerns hat nun nach eigenen Angaben die »fehlende Zutat« gefunden. Die Ergebnisse hat die Gruppe in der Fachzeitschrift »Nature Communications«  veröffentlicht.

Diamantminen finden sich üblicherweise in der Mitte von Kontinenten, in den tektonisch besonders stabilen Teilen – sogenannten Kratonen. Das dort zu findende vulkanische Mineral Kimberlit – benannt nach der südafrikanischen Stadt Kimberley, nicht nach der australischen Region Kimberly, zu der auch Argyle zählt – gilt als besonders diamanthaltig. Argyle jedoch liegt nahe der Küste, an einer Nahtstelle zwischen verschiedenen Landmassen abseits eines Kratons. Eigentlich dürfte es dort also gar keine Diamanten geben. Nun ist die Mine allerdings geologisch besonders: Sie liegt in einer Region, wo vor rund 1,8 Milliarden Jahren die heute fest verbundenen Landmassen der Kimberly-Region und Nordaustraliens aufeinanderprallten, was einen entscheidenden Unterschied machen soll.

Einzigartig: Blick auf die Diamantmine Argyle in der westaustralischen Kimberly-Region

Einzigartig: Blick auf die Diamantmine Argyle in der westaustralischen Kimberly-Region

Foto: Murray Rayner / AFP

Zwei von drei Faktoren für das Entstehen von pinkfarbenen Diamanten seien bereits bekannt gewesen, erklärte der Mineraloge Hugo Olierook von der Curtin University in Perth, Hauptautor der Studie in einer begleitenden Mitteilung. So war der Kohlenstoff erstens mehrere Hundert Kilometer tief im Erdmantel eingelagert, statt in geringerer Tiefe nur die Form von Grafit anzunehmen. Zweitens verzerrte eine Kontinentkollision das Kristallgitter der Diamanten und machte sie farbig – unter vergleichsweise leichterem Druck rosa, bei stärkerer Belastung braun. Die hellbraunen Färbungen Champagne und Cognac kommen in Argyle noch häufiger vor als andere, sind für den Bergbau aber nicht lukrativ genug.

Doch es fehlte als dritter Faktor noch ein Auslöser, um zu erklären, wie die Kristalle an die Oberfläche gelangen konnten. Dafür war extreme Beschleunigung nötig, damit sich der Kohlenstoff auf dem Weg nach oben nicht in Grafit verwandelt. Ein Dehnen der Erdkruste soll sie ermöglicht haben.

Suche nach dem »nächsten Argyle«

Die Verfasser der australischen Studie haben das Alter der Kristalle mithilfe feiner Laserstrahlen auf rund 1,3 Milliarden Jahre bestimmt, etwa 100 Millionen Jahre mehr als bislang angenommen. Der Gruppe um Oliebrook zufolge passt das zum Zeitpunkt, als der Superkontinent Nuna auseinanderbrach, der im Paläoproterozoikum das Land der Erde vereint hatte.

Die Gebiete des heutigen Australien hielten damals zwar zusammen, sie wurden laut Oliebrook aber »gedehnt«. In der Folge hätten sich die »Narben« der vorigen Landmassenkollision geöffnet, und Magma sei mit annähernd Schallgeschwindigkeit durch sie hindurchgeschossen. Mit dabei: die rosa Diamanten. Die Gewalt der Eruption soll stärker gewesen sein als jeder Vulkanausbruch während der Geschichte der Menschheit.

Mehr zum Thema

Oliebrook vermutet, dass ähnliche Bergregionen, die auf das Ende des Superkontinents Nuna zurückgehen, ebenfalls pinkfarbene Diamanten enthalten könnten. Ein »nächstes Argyle« könnte sich finden lassen, indem man gezielt nach Orten suchte, an denen die drei Zutaten – tiefer Kohlenstoff, kontinentale Kollision und anschließende Dehnung – zusammenkämen, erklärte der Forscher. Gegenden in Kanada, Russland, dem südlichen Afrika und Australien kämen etwa infrage. Manche dieser möglichen Fundorte seien jedoch womöglich noch von Sand und anderen Bodenschichten bedeckt, heißt es.

ahh