Satellitenbild der Woche - DER SPIEGEL
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Satellitenbild der Woche Salzige Verwandlung

Der Lake Disappointment im Nordwesten Australiens bekam seinen Namen von einem frustrierten Entdecker. Doch wie ein Blick aus dem All beweist, kann das Gewässer durchaus überraschen - wenn die Wetterlage passt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Entdecker folgte den ausgetrockneten Flusstälern in der brennend heißen Gibsonwüste - um dann doch eine faustdicke Enttäuschung zu erleben. Als der in England geborene Frank Hann im Jahr 1897 die australische Region Pilbara erkundete, hatte er auf den Fund eines großen Süßwassersees gehofft. Doch das Gewässer, das er dann tatsächlich im Nordwesten des Kontinents aufspürte, war stark salzig - und so verwundert der Name auch nicht, den Hann für seine Entdeckung übrig hatte: Lake Disappointment, der See der Enttäuschung.

Aus dem All zeigt sich freilich, wie wandlungsfähig dieser See ist. Denn seine Ausdehnung hängt entscheidend mit den Niederschlägen in der Region zusammen. Zwar speist der ebenfalls von Hann entdeckte Rudall-River das Gewässer. Doch vor allem der Niederschlag im Rahmen großer Tropenstürme verschafft dem See große Mengen neues Wasser - und überflutet riesige Areale, wie der Vergleich zweier Bilder des Nasa-Satelliten "Terra" beweist.

Die erste Aufnahme des Modis-Instruments auf dem Satelliten, im Bereich mit dem Schieberegler rechts liegend, stammt vom 22. Februar. Hier zeigen sich große ausgetrocknete Areale. Anderthalb Wochen später, am 4. März, sind viele von ihnen geflutet. Außerdem verfügt der See insgesamt über mehr Wasser, genau wie die Gewässer der Umgebung. Das ist im Bereich des Schiebereglers auf der linken Seite gut zu sehen. Schuld am steigenden Pegel des Sees war der Tropensturm "Rusty", der in der Zwischenzeit über die Gegend gezogen war.

Für das Satellitenbild wurden Aufnahmen aus dem Bereich des sichtbaren Lichts mit Infrarotbildern gekoppelt. Dadurch lassen sich Wasser und Land besser unterscheiden. Der Farbunterschied zwischen beiden Aufnahmen könnte nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa mit einem unterschiedlichen Blickwinkel des betreffenden Sensors auf dem Satelliten zu tun haben.

Der See der Enttäuschung ist übrigens nicht für jeden so abweisend, wie er dem Entdecker Hann erschien. In seinen salzigen Fluten tummeln sich Fische - und viele Wasservögel fühlen sich dort ebenfalls zu Hause.

chs