Satellitenbild der Woche: Der verdoppelte Fluss - DER SPIEGEL
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Satellitenbild der Woche Der verdoppelte Fluss

Als die Tsunamis kamen, flossen Ströme plötzlich bergauf: Ein Satellitenbild dokumentiert, wie Riesenwellen eine Flusslandschaft im Nordosten Japans verändert haben. Wo vorher ein Strom war, flossen auf einmal zwei. Manche Felder versanken für immer.
Kitakami aus dem All: Landschaft von Tsunamis gezeichnet
Kitakami aus dem All: Landschaft von Tsunamis gezeichnet

Kitakami aus dem All: Landschaft von Tsunamis gezeichnet

Foto: NASA
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Einst war der Fluss Kitakami ein ruhiger Strom mit üppiger Ufervegetation. Gemächlich mäanderte er aus den Bergen im Nordosten Japans talwärts, bis er in den Pazifischen Ozean entwässerte. Spaziergänger fanden an seinen Ufern Erholung. Doch dann kamen die Tsunamis.

Minuten nach dem Seebeben am 11. März wälzte sich eine meterhohe Wasserschwemme aus dem Pazifik flussaufwärts. Die Folgen für den Fluss dokumentieren Bilder des "Terra"-Satelliten der Nasa: Die Satellitenbilder zeigen die Landschaft in falschen Farben. Der "Aster"-Sensor an Bord des Satelliten zeichnet eine große Bandbreite elektromagnetischer Strahlung auf, noch weit jenseits des sichtbaren Lichts: Wasser ist blau, Vegetation erscheint rot - je heller das Rot, desto gesünder die Pflanzen.

Das Bild vom 14. März dokumentiert die Veränderungen: Im Unterlauf hat sich der Fluss verdoppelt. Beidseits ist das Wasser in großer Menge über die Ufer geschwappt - es hat sich quasi ein Parallel-Kitakami gebildet. Wo zuvor Felder und Wiesen lagen, schwappt nun Wasser (für einen Vorher-Nachher-Vergleich auf das Bild klicken).

Eine Schuttwüste wird zurückbleiben

Alle Ebenen im Unterlauf wurden geflutet; vielerorts liegen Trümmer am Ufer. Insbesondere in Buchten hat sich der Schutt gesammelt: Dort schwemmten die Tsunamis hinein, verloren an Wucht. Beim Zurückströmen ließen sie schweres Material zurück, weil das langsamere Wasser weniger Kraft hatte.

Küstennahe Landschaften sind im Meer verschwunden. Nach dem Erdbeben ist die Küste im Nordosten Japans um Dutzende Zentimeter abgesackt. Auf anderen Feldern wird das Wasser versickern und verdunsten, eine Schuttwüste wird zurückbleiben. Erst viele Kilometer flussaufwärts finden sich erste Felder, die von der Flut verschont wurden.

Tsunamis und Erdbeben haben nach derzeitigen Schätzungen mehr als 10.000 Menschen getötet, Hunderttausende wurden obdachlos. Es ist eine der schlimmsten Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte. Auch die geologischen Folgen sind gewaltig, noch immer schwingt der ganze Planet.

boj