Lernen unter Primaten Junge Schimpansen bekommen Werkzeug-Nachhilfe von Mama
Schimpanse im Leipziger Zoo im Jahr 2013
Foto: Hendrik Schmidt / dpaSchimpansen können ihrem Nachwuchs offenbar dabei helfen, mit Werkzeug umzugehen. Forscher haben bei wild lebenden Schimpansen beobachtet, wie Tiere unerfahreneren Artgenossen Stöcke oder Früchte überließen. Diese konnten so schwierige Techniken zur Nahrungssuche leichter lernen. Vor allem Schimpansenmütter spielten dabei eine wichtige Rolle als Lehrerinnen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal »Frontiers in Psychology« .
Für die Studie wertete ein Team der Universität Barcelona und des spanischen Jane-Goodall-Instituts im Senegal rund 15 Stunden Aufnahmen von Kamerafallen aus. Die Kameras standen an Orten rund um Dindefelo im Südosten des Senegal. Dort nutzen Westafrikanische Schimpansen Werkzeuge, etwa um Ameisen und Termiten aus ihren Nestern oder Algen aus dem Wasser zu holen. Der Gebrauch von Werkzeugen gilt als wichtiger kognitiver Entwicklungsschritt.
Von der Mutter an den Nachwuchs
Die Forscher dokumentierten 33 Fälle, in denen Schimpansen, meist erwachsene Tiere, Werkzeuge an Artgenossen weitergaben. Unter den Empfängern waren vorwiegend sehr junge Schimpansen. Besonders häufig wurden Gegenstände zwischen Verwandten weitergegeben, in etwa einem Drittel der Fälle von einer Mutter an ihren Nachwuchs.
Auf einer Aufnahme ist etwa zu sehen, wie eine Schimpansenmutter einen Stock in eine Ameisenkolonie steckt und anschließend ihre Tochter zu dem vorbereiteten Werkzeug führt. Die Kleine zieht den Stock heraus und frisst die daran haftenden Ameisen. In einer anderen Aufnahme versucht ein Schimpansenjunges zunächst vergeblich, eine Baobab-Frucht auf einem Felsen aufzuschlagen. Ein älteres Jungtier zeigt ihm daraufhin die Schlagbewegung und öffnet zudem eine Frucht. Das Baby versucht es danach erneut selbst.
Die Forscher sehen darin Hinweise darauf, dass die Übergabe von Werkzeugen eine Form des Lehrens sein kann. Erfahrene Tiere verändern dafür ihr eigenes Verhalten und erleichtern unerfahreneren Artgenossen so das Lernen. Die Empfänger nutzten danach häufiger Werkzeuge und kamen häufiger an Nahrung.
Bereits 1960 hatte die Primatenforscherin Jane Goodall beobachtet, wie Schimpansen Werkzeuge herstellten, um mit ihnen an Termiten zu gelangen. Inzwischen ist bekannt, dass die Menschenaffen eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken beherrschen. Auch bei zahlreichen anderen Arten wurde beobachtet, wie sie Werkzeuge benutzen.