Schleimiger Mehrzeller Geologen datieren ältestes Tier der Welt
Er sieht aus wie ein Wurm, produziert jede Menge Schleim und ist vermutlich mehr als 1,2 Milliarden Jahre alt. Der Mehrzeller, dessen fossile Spuren Birger Rasmussen von der University of Western Australia zusammen mit seinen Kollegen jetzt datiert hat, könnte die bisherige Zeitrechnung der Tiere gehörig durcheinander werfen. Falls die zeitliche Einordnung stimmt.
Denn die Forschungsergebnisse, die die Geologen nun im US-Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht haben, stellen lediglich eine plausible Vermutung dar, hundertprozentig sicher sind sie nicht. Schuld daran sind die Spuren, die der seltsame Wurm im australischen Sandstein hinterlassen haben soll: feine, bis zu einem Millimeter breite Abdrücke, die parallel zueinander in einem Abstand von rund zwei Millimeter verlaufen. Die vielfältigen Spuren sind in der Regel mehr als zwei Zentimeter lang und oftmals an einem Ende abgerundet.
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Rasmussen hat, wie er in "Science" schreibt, auch nach nicht-biologischen Ursachen für die mysteriösen Spuren gesucht - ohne größeren Erfolg: So hätten Bakterienmatten deutlich unregelmäßigere Abdrücke im Sandstein hinterlassen müssen. Die Spuren von bereits abgelagerten und gefalteten Gesteinsschichten hätten sich dagegen durch rechtwinklige Abschlüsse an einem der beiden Enden verraten. Die konnten im australischen Sandstein aber nicht festgestellt werden. Auch die Vermutung, die Gravuren könnten auf menschliche Werkzeuge zurückgeführt werden, wurde von den Wissenschaftlern verworfen; hierfür verlaufen die Erhebungen in den meisten Fällen nicht parallel genug.
"Die irregulären, aber dennoch überall vorhanden Formen und die konstanten Abmessungen der Markierungen stellen einen guten Beweis für einen biologischen Ursprung dar", sagt Rasmussen. Offensichtlich hat, so der Wissenschaftler, ein über die Oberfläche kriechender Organismus seine schleimigen Spuren im Sandstein hinterlassen, die viele Millionen Jahre später als Gravuren wieder aufgetaucht sind.
Doch damit nicht genug: Durch Untersuchung anderer Strukturen in der Sandsteinplatten ist es den Geologen und Paläontologen gelungen, das ungefähre Alter der Spuren zu bestimmen. Geht man davon aus, dass die möglichen Wurmspuren genauso alt sind wie die restlichen Abdrücke im Sandstein, dann könnte der Einzeller mindestens 1,2 und höchstens zwei Milliarden Jahre alt sein.
Bislang waren Wissenschaftler - in Ermangelung älterer Funde - davon ausgegangen, dass der erste gemeinsame Vorfahre aller bekannten Tiere nicht viel älter als 600 Millionen Jahre sein kann. Analysen der Erbinformation verschiedener Tiere sprechen dagegen eine andere Sprache: Demnach könnten sich die ersten Mehrzeller vor 700 bis 1500 Millionen Jahren entwickelt haben - Zahlen, die mit den potenziellen Wurmspuren im australischen Sandstein übereinstimmen würden.