Tobende Zuschauer Football-Fans testen Erdbebenwarnsystem
Footballer Marshawn Lynch (r.) beim Touchdown (am 28. Dezember 2014): Fans können den Boden beben lassen
Foto: Jonathan Ferrey / AFPEs stand schlecht für die Underdogs. Als die Seattle Seahawks am 8. Januar 2011 gegen die New Orleans Saints antraten, gingen die haushohen Favoriten aus dem Süden schnell in Führung. Doch dann drehte sich das Spiel - auch dank einem der furiosesten Alleingänge in der Geschichte der National Football League (NFL). Runningback Marshawn Lynch, den sie "Beastmode" nennen, setzte sich über 67 Yards gegen acht Gegenspieler zum Touchdown durch. Am Ende stand ein 41-zu-36-Sieg seiner Mannschaft.
Der Jubel der Fans im CenturyLink Field ließ die Erde beben - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Da Seattle in erdbebengefährdetem Gebiet liegt, gibt es in der Gegend viele seismische Messstationen. Und eine in der Nähe des Stadions zeichnete den Jubel der Fans als Erdstoß der Stärke 1 bis 2 auf der Richterskala auf. Er sollte als "Beast Quake" in die Geschichte eingehen.
Nun wollen Forscher genau diesen Effekt nutzen, um in Seattle ein Erdbeben-Warnsystem zu testen, das im Falle eines Bebens umgehend Meldung gibt, so dass etwa Züge angehalten werden könnten. Dazu werden die Bewegungen des Bodens beim Spiel der Seahawks gegen die Carolina Panthers am Samstag registriert. Die Messgeräte seien diesmal noch näher bei den Fans untergebracht, berichtet John Vidale vom Pacific Northwest Seismic Network.
Alarm nach drei Sekunden
Forscher der University of Washington hätten drei Seismometer im Stadion installiert, zwei auf den Rängen und eins auf dem Spielfeld. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das tun, aber beim aktuellen Test sollen die Messergebnisse deutlich schneller vorliegen als bisher. Eine neue Software namens "QuickShake" soll Vibrationen innerhalb von drei Sekunden anzeigen. Nach Angaben der Forscher wäre das zehn Mal so schnell wie beim letzten Versuch dieser Art.
Wenn es tatsächlich zu einem Mini-Erdbeben durch begeisterte Fans sind, sollte das auf der Webseite Northwest Seismic Network früher zu sehen sein als die betreffende Szene im Fernsehen. Da beträgt die Verzögerung nach Angaben der Wissenschaftler etwa zehn Sekunden.
Das Experiment solle Forschern und Öffentlichkeit ein Gefühl dafür geben, wie schnell Erdbebenwarnungen erfolgen könnten, sagt Steve Malone, der bis zu seinem Ruhestand an der University of Washington geforscht hat. Die Wissenschaftler wollen bei dem Experiment aber noch etwas anderes herausfinden: Wie kommen die Server des Warnsystems mit dem Ansturm klar, wenn Tausende Menschen auf einmal darauf zugreifen. Um dann besser für den Ernstfall gerüstet zu sein.