Laubholzbockkäfer Asiatische Invasion im Rheinland
Im Minutentakt krachen die Stämme im Bonner Randbezirk Tannenbusch am vergangenen Dienstag auf den Waldenburger Ring. Rund 150 Ahornbäume werden hier von der Stadt Bonn erst gefällt, vor Ort gehäckselt und dann direkt in die Müllverbrennungsanlage gefahren. Das Gebiet rund um den Ring gilt als Quarantänezone, seit hier vor einigen Tagen auf Bäumen an einem Schulhof der asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) gefunden wurde.
Der kleine Käfer mit den langen Fühlern und dem lateinischen Namen Anoplophora glabripennis gilt als einer der gefährlichsten Baumschädlinge weltweit. Jeder Baum, in dem sich seine Larven entwickeln, ist unweigerlich dem Tod geweiht. Nachdem der ALB die Rinde eines Laubbaums angeknabbert hat, legt er seine Eier ab. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich vom Holz des Baums ernähren. Wenn nach zwei Jahren der fertige Käfer durch ein kleines Loch im Stamm entfliegt, ist der Baum innerlich bereits so zerfressen, dass er abstirbt.
Reiner Schrage vom Pflanzengesundheitsamt der Landwirtschaftskammer NRW leitet die Abwehrmaßnahmen gegen den Eindringling aus Fernost. "Unser Ziel ist ganz klar die Ausrottung", so Schrage. Da der ALB mit Vorliebe Ahorn befällt, lässt er zunächst nur Ahornbäume abholzen - diese machen jedoch rund 70 Prozent des Baumbestands im betroffenen Gebiet im Stadtteil Tannenbusch aus.
Bei den Anwohnern stößt das nicht immer auf Verständnis. "Den Leuten zu vermitteln, dass wir gesunde Bäume fällen, um Bäume zu schützen, ist auch nicht gerade leicht", gesteht der Pflanzenschützer. Doch zum Abholzen besteht nach einhelliger Expertenmeinung keine Alternative, außerdem schreibt eine EU-Richtlinie diese Maßnahmen vor.
Hunde wurden eigens auf die Käferart abgerichtet
Zwölf neue Mitarbeiter hat die Landwirtschaftskammer NRW eigens eingestellt, um die Käferplage in den Griff zu bekommen. Auf Kontrollgängen durchstreifen sie ein Gebiet von rund 3000 Hektar Größe und suchen nach Spuren des asiatischen Laubholzbockkäfers. Sägespäne, sogenanntes Genagsel, am Fuß der Bäume deutet auf einen Larvenbefall hin, kleine sogenannte Ausbohrlöcher in der Baumkrone auf geschlüpfte Käfer.
Im Verdachtsfall wird Susanne von Strünk mit ihren Käferspürhunden hinzugezogen. Die Hundetrainerin hat drei ihrer Tiere auf den spezifischen Geruch abgerichtet, die der asiatische Laubholzbockkäfer und seine Larven hinterlassen. "Die Tiere riechen den organischen Zersetzungsprozess, den die Larven und Käfer auslösen", so Strünk. Wird ein Befall festgestellt, werden alle Ahornbäume im Umkreis von rund hundert Metern umgehend vorbeugend gefällt.
Die Spur der Käfer im Rheinland lässt sich bis ins Jahr 2005 in ein Gewerbegebiet im benachbarten Bornheim zurückverfolgen. In dem Ort ist ein Unternehmen angesiedelt, das Waren aus China importiert. Dort ist der asiatische Laubholzbockkäfer weit verbreitet und richtet jährlich immense Schäden an. Die Experten der Landwirtschaftskammer NRW vermuten, dass einige Larven die Reise nach Deutschland im Holz von Verpackungsmaterial überlebt haben könnten und dann im Rheinland geschlüpft sind. "Hier war der erste Ausbruchspunkt von asiatischen Laubholzbockkäfern in NRW. Wir haben an den Ahornbäumen und zwar direkt am Eingang und gegenüberliegend von einer Firma im Prinzip völlig zerstörte Bäume festgestellt", erläutert Schrage.
Vergeblicher Kampf seit sieben Jahren
Seit sieben Jahren versuchen Schrage und Kollegen nun den ALB auszurotten, bislang vergebens. Stattdessen breitet sich der Schädling aus China langsam, aber sicher immer weiter aus. Jetzt hat er den Bonner Stadtrand erreicht und damit steigt die Gefahr. "Wir haben hier große Ahorn- und Pappelalleen in Richtung Bonn, wo er sich quasi wie auf einer Autobahn weiterverbreiten könnte, und in Bonn haben wir alten, wertvollen Baumbestand - das wäre dramatisch, wenn er dahin kommen sollte."
Bei allem Aufwand scheint es indes unwahrscheinlich, dass der ALB im Raum Bonn ausgerottet werden kann, wie ein Blick in andere Länder zeigt. 1996 wurde der ALB erstmals in New York festgestellt, trotz großer Rodungen schaffte es der Käfer, sich an der Ostküste der USA auszubreiten. Dort bedroht er mittlerweile rund 30 Prozent aller Bäume in städtischen Regionen.
Mehr zur Invasion des asiatischen Laubholzbockkäfers können Sie am Sonntag um 21:50 Uhr bei SPIEGEL TV Magazin auf RTL sehen.