Stabschrecken: Perfektes System bewahrt vor Absturz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Stabschrecken Reibende Ferse, klebriger Zeh

Doppelt geschützt gegen den Absturz: Mit ihren speziell geformten Füßen überqueren Stabschrecken spielend jede Fläche - auch kopfüber laufend, natürlich. Dabei setzten sie auf einen einfachen Trick.
Stabschrecken: Mit Arbeitsteilung am Fuß über Kopf unterwegs
Stabschrecken: Mit Arbeitsteilung am Fuß über Kopf unterwegs

Stabschrecken: Mit Arbeitsteilung am Fuß über Kopf unterwegs

Foto: ONE publication/ T Endlein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn Stabschrecken oder andere Insekten klettern, kollidieren zwei Anforderungen miteinander: Zum einen brauchen sie guten Halt, um auch auf steilem oder rutschigem Untergrund nicht zu stürzen. Zum anderen müssen sie ihre Füße schnell und energiesparend vom Untergrund lösen können, wenn sie zum Beispiel jagen oder vor Feinden flüchten. Um diesen Anforderungen zu genügen, haben viele Insekten spezialisierte Haftpolster unter ihren Füßen.

Indische Stabschrecken aber setzen auf Arbeitsteilung: Laufen sie aufrecht, bewahren Reibungskräfte zwischen einem kleinen Polster am "Hacken" ihrer Füße die Insekten vor dem Absturz. Laufen sie überkopf, sorgen hingegen Adhäsionskräfte an einem Haftpolster am Zeh für den nötigen Halt. Dies berichten Davide Labonte und Walter Federle von der University of Cambridge in Großbritannien im Journal "PLOS ONE". 

Jeder der sechs Füße der Indischen Stabschrecken (Carausius morosus) besteht aus fünf Segmenten und einem Endstück mit den Krallen. An diesem Endstück, die Forscher nennen es "Zeh", befindet sich eines dieser Haftpolster, das sogenannte Arolium. Weitere Polster, die Euplantulae, befinden sich paarweise an den vier folgenden Hacken-Segmenten des Fußes. Labonte und Federle hatten nun zunächst beobachtet, dass die Stabschrecken stets mit ihren Hacken Kontakt zum Boden haben, wenn sie aufrecht laufen. Hängen sie über Kopf, berühren hingegen lediglich die Zehen den Untergrund.

Untersuchungen zeigten dann, dass die Haftpolster an Zeh und Hacken unterschiedlich arbeiten: So hafte das Arolium am Zeh über Adhäsionskräfte am Untergrund. Die Adhäsion nahm zu, wenn Zugkräfte auf das Haftpolster einwirkten, fanden die Forscher. Dies ist etwa der Fall, wenn das Gewicht des Insekts beim Überkopflaufen die Haftpolster vom Untergrund wegzieht. An den Euplantulae hingegen wirkten vor allem Reibungskräfte. Sie nahmen zu, wenn die Belastung der Polster stieg, also zum Beispiel wenn die Insekten aufrecht liefen.

Beide Polster reagierten angemessen auf die Kräfte, die beim natürlichen Herumklettern auf die Beine der Insekten wirkten, und erhöhten beziehungsweise verringerten nach Bedarf Adhäsion und Reibung, schreiben die Forscher. Die Arbeitsteilung zwischen Hacken und Zehen erlaube sichere Haftung und energieeffiziente Ablösung in einer Vielzahl von Bewegungssituationen.

nik/dpa

Mehr lesen über

Verwandte Artikel