Tierische Eindringlinge: Quallen auf Kreuzfahrt - DER SPIEGEL
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Tierische Eindringlinge Quallen auf Kreuzfahrt

Exotische Tierarten, die an Bord von Schiffen um die Welt reisen, bedrohen vielerorts das biologische Gleichgewicht und verursachen Milliardenschäden. Die Invasion von Quallen aus Übersee etwa begann bereits vor 500 Jahren - mit dem Beginn der Seefahrt.
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Der Schaden, den nichtheimische Arten in einem Land wie den USA anrichten, ist enorm. Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass es dabei um eine Milliardensumme geht. Wissenschaftlern der Cornell University in Ithaca kamen in einer aus dem Jahr 1999 gar auf die gigantische Zahl von 138 Milliarden US-Dollar.

Den mit 27 Milliarden Dollar größten Posten mache mit nichtheimischen Unkräutern verunreinigtes Saatgut aus, berichtete das Forscherteam um David Pimentel, dessen Zahlenspiele jedoch umstritten sind. Eingeführte Ratten kosten nach der Kalkulation der Forscher 19 Milliarden pro Jahr. Die 92 Millionen US-Katzen sollen angeblich 14 Milliarden Dollar Schaden verursachen, weil jede von ihnen angeblich pro Jahr fünf Vögel frisst, deren Wert Pimentel bei 30 Dollar taxiert.

Die Einfuhr von Tier- und Pflanzenarten aus fernen Ländern, ob gewollt oder nicht, ist jedoch kein Phänomen des modernen Handels im Industriezeitalter. Bei Computersimulationen haben amerikanische und australische Wissenschaftler nämlich herausgefunden, dass bestimmte Quallenarten wahrscheinlich schon vor 500 Jahren begannen, fremde Reviere zu erobern. Zu diesem Zeitpunkt begann in Europa der globale Handelsverkehr mit Schiffen.

"Meeresbewohner reisen in Ballastwasser und an Schiffsrümpfen um die Welt", sagte Mike Dawson von der University of California in Davis. Auch der Handel mit exotischen Tieren wie Tropenfischen trage dazu bei, dass Bestände heimischer Meeresbewohner in Gefahr gerieten. Den USA entstünden dadurch Schäden sowie Kosten für Gegenmaßnahmen in Milliardenhöhe, betonte Dawson.

Experten gehen davon aus, dass jeden Tag rund 3000 Arten an Schiffsrümpfen oder in Ballasttanks durch die Meere der Welt reisen. Obwohl große Containerschiffe häufig ihre Wassertanks komplett durchspülen, um den ungewollten Transport von Meeresbewohnern zu verhindern, könne das Einschleppen nichtheimischer Arten kaum verhindert werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Acadamy of Science".

Biodiversität der Quallen größer als erwartet

Das Team von Dawson entwickelte ein Computermodell, mit dem die Ausbreitung der Quallenfamilie Aurelia über mehrere tausend Jahre simuliert werden kann. Das überraschende Ergebnis: Aus eigener Kraft und unter Ausnutzung der Meeresströmung hätten die Quallen kaum ihre heutige Verbreitung erreichen können.

Bei der Untersuchung von Aurelia-Quallen stellten die Forscher außerdem fest, dass es mehr Arten gibt als bisher angenommen: "Wir haben 16 Arten identifiziert", sagte Dawson. Wenn man Quallen aus ganz unterschiedlichen Regionen der Welt untersuche, dann gebe es kaum Unterschiede zwischen ihnen. Erst ein DNA-Test beweise, dass es sich um verschiedene Arten handle.

Die blinden Passagiere in und an Schiffsrümpfen gefährden jedoch nicht nur Ökosysteme. Auch die Gewinne der Reeder leiden unter dem Bewuchs, weil er den Gleitwiderstand der Schiffe und damit den Treibstoffverbrauch erhöht.

Dem versuchen Bremer Forscher mit einer künstlichen Haifischhaut entgegenzuwirken. Die fein strukturierte Oberfläche konnte in ersten Versuchen den gefürchteten Bewuchs an Schiffsrümpfen durch Muscheln und Seepocken um fast 70 Prozent senken, muss sich aber noch in der Praxis bewähren.

Die Reedereien suchen händeringend nach einer neuen Antifouling-Technik. Anfang 2003 waren die bisher üblichen und wirksamen Schutzanstriche auf Basis von TBT (Tributylzinn) verboten worden, weil der Giftstoff auch ins Meerwasser gelangt.

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