Tsunami-Warnsystem: Delphin-Modem erreicht Analog-Geschwindigkeit - DER SPIEGEL
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Tsunami-Warnsystem Delphin-Modem erreicht Analog-Geschwindigkeit

Berliner Forscher haben nach dem Vorbild der Delphin-Sprache ein Modem entwickelt, das auch unter Wasser funktioniert. Per Ultraschall sendet das Gerät inzwischen fast so schnell wie ein analoges Modem.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Frühwarnsystem für Tsunamis oder Seebeben ist technisch anspruchsvoll: Große Datenmengen müssen störungsfrei übermittelt werden. Da Funkverbindungen im salzigen Meerwasser nur auf kurze Distanz funktionieren, müssen die Sensoren, die am Meeresboden Erschütterungen aufzeichnen, bisher per Kabel senden. Das ist nicht nur aufwendig, sondern vor allem teuer.

Das Berliner Forscherteam von Konstantin Kebkal hat deshalb die Delphin-Sprache studiert. Die intelligenten Meeressäuger kommunizieren über Pfeif- und Schnalzgeräusche im Ultraschallbereich über Kilometer hinweg. Da auch die Ultraschallwellen im Wasser reflektiert und abgelenkt werden, verändern die Delphine die Frequenz ihres Gesangs und stimmen sie auf die Bedingungen ab.

Diesen Effekt machten sich auch die Wissenschaftler der TU Berlin zu Nutze, als sie den ersten Prototypen des Modems entwickelten. "Wir haben uns die Kommunikation einfach bei den Delphinen abgeguckt", sagt Kebkal. Das erste Modell war mit fünf Kilobit pro Sekunde noch sehr langsam.

Inzwischen überträgt das Ultraschallmodem jedoch mit bis zu 33 Kilobit pro Sekunde Informationen oder Bilder - fast so schnell wie ein analoges Modem. Die Sende-Frequenz stellt sich dabei automatisch auf die Reflektionen und Dämpfungen im Wasser ein. Geprüft wurde das neue Modem bisher bei Versuchen in der Nord- und Ostsee. Weitere Experimente im Mittelmeer sind für diesen Sommer geplant.

Im Oktober soll das Gerät dann unter Realbedingungen getestet werden: Das Tsunami-Frühwarnsystem bei Indonesien, das vom Potsdamer Geoforschungszentrum entwickelt wird, setzt auf die kabellose Datenübertragung. Seismische Sensoren, die in fünf Kilometer Tiefe verankert werden, sollen ihre Daten über das Ultraschall-Modem an eine Boje weiterleiten. Die sendet die Informationen dann per Satellit an die Zentrale weiter.

Doch die Wissenschaftler stehen schon vor dem nächsten Problem: Bisher funktioniert die Datenübertragung nur vertikal - also von der Boje auf der Meeresoberfläche zum Messgerät und zurück. Bei der horizontalen Übermittlung verstärken sich auch die Störungen. Die Berliner Forscher arbeiten daher an einem noch robusteren Modem, dass Entfernungen von bis zu acht Kilometern überwinden kann - auch horizontal. Doch ein Rätsel bleibt ungelöst: Auch mit dem geplanten Modem werden die Forscher nicht mit den Delphinen plaudern können.

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