Umstellung Wie Dinosaurier zu Vegetariern wurden
Er ging auf zwei Beinen, seine scharfen Krallen waren zehn Zentimeter lang: der Sichelmacher aus Utah, Falcarius utahensis - so lautet der klangvolle Name der neuen Dinosaurierart. Das 1,5 Meter hohe und 4 Meter lange Tier habe möglicherweise sogar Federn besessen, berichten Forscher vom Utah Geological Survey in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 435, S. 84). Die Überreste des vor mehr als 125 Millionen Jahren lebenden Tieres wurden aus einem Dinosaurier-Massengrab am Cedar Mountain im US-Bundesstaat Utah geborgen.
Die Wissenschaftler legten für ihre Arbeit fast 1700 Knochen frei. Das Skelett von Falcarius ist fast vollständig erhalten. Es besitzt Eigenschaften, wie man sie sonst nur von pflanzenfressenden Dinosauriern kennt. Dazu gehören kleinere blattförmige Zähne und ein breiteres Becken, das einen größeren Magen und einen längeren Darm für die Verdauung von Pflanzen zuließ.
Zudem hatte Falcarius kleinere und dickere Beine, wie sie bei Pflanzenfressern vorkommen, die nicht mehr hinter Beutetieren herrennen müssen. Die Arme von Falcarius waren beweglicher als bei seinen Vorfahren. Die Forscher vermuten, dass er mit ihnen und dem lang gezogenen Hals nach Pflanzen greifen konnte.
Die ersten Dinosaurier waren kleine, leichte und schnellfüßige Räuber. Zwei große Dinosaurier-Gruppen wurden dann zu Pflanzenfressern, doch wie diese Entwicklung genau ablief, ist bisher nicht bekannt. "Mit Falcarius haben wir einen fossilen Beweis für die Ernährungsumstellung", sagt der Co-Autor Scott Sampson. "Wir haben sozusagen die Evolution auf frischer Tat ertappt."
Die Entwicklung von pflanzenfressenden Dinosauriern könnte mit dem Aufkommen der Blütenpflanzen zusammenhängen, schreiben die Forscher. Gewächse mit Blüten traten in der gleichen Zeit auf, in der auch Falcarius utahensis lebte: in der frühen Kreidezeit, also ungefähr vor 125 Millionen Jahren.
Falcarius gehörte zur Unterordnung der sogenannten Theropoden, von denen die Forscher bislang glaubten, dass sie aus China stammten und über eine Landbrücke vom heutigen China über Alaska nach Nordamerika eingewandert waren. Vor 125 Millionen Jahren jedoch, als Falcarius lebte, gab es Alaska noch nicht. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Theropoden entweder von Asien über Europa nach Nordamerika gewandert sind, oder dass sie direkt aus Nordamerika stammen.