Vertauschtes Fossil Riesenspinne war ein Skorpion
Acht Beine mit einer Spannweite von über einem halben Meter - auch für Nicht-Phobiker dürfte die Vorstellung einer solchen Riesenspinne nicht allzu angenehm sein. Lange Zeit galt die 300 Millionen Jahre alte Megarachne servinei als größte Spinne aller Zeiten. In Wirklichkeit aber war das 34 Zentimeter lange Fossil einst ein See- oder Riesenskorpion, wie britische und argentinische Forscher jetzt herausfanden.
Das erste versteinterte Exemplar war 1980 in der argentinischen Provinz San Luis entdeckt worden. Es war bis vor kurzem der einzige Hinweis auf die Existenz der Megarachne servinei. Die neue Analyse dieses Fundstücks und die Entdeckung eines weiteren Exemplars zeigen jedoch, dass das Tier zu den heute ausgestorbenen Eurypteriden und nicht zu den Spinnen gehörte. Das berichten Paul Selden von der Universität Manchester und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Biology Letters" (Online-Vorabveröffentlichung).
Die nächstkleinere bekannte Spinnenart, die Riesenvogelspinne Theraphosa leblondi, hat eine Beinspannweite von nur knapp 30 Zentimetern. Da die Riesenspinne keiner bekannten Art zugeordnet werden konnte, wurde sie bislang in eine eigene Familie eingeordnet. Ihre Identifikation erfolgte unter anderem aufgrund der Form ihres Panzers, der Position eines zentralen Auges, der Form ihrer Mundwerkzeuge und ihres kreisrunden Bauchs.
Doch bereits kurz nach ihrer Entdeckung meldeten einige Wissenschaftler Zweifel an der Zuordnung an, da das Fossil Merkmale aufwies, die bei keiner anderen Spinnenart vorkommen. Eine genauere Untersuchung war lange Zeit nicht möglich: Das Fossil war wegen ungeklärter Besitzansprüche im Tresor einer Bank eingeschlossen. Vor kurzem wurde jedoch in Argentinien ein weiteres Exemplar entdeckt, und auch das ursprüngliche Fossil wurde zur Untersuchung freigegeben.
Diese neue Untersuchung bestätigte die Zweifel der Wissenschaftler: Die Tiere gehörten tatsächlich nicht zu den Spinnen, sondern zu den Seeskorpionen der Gruppe der Eurypterida, einer Schwestergruppe der Schwertschwänze. Diese Kieferklauenträger waren hauptsächlich Wasserbewohner und konnten bis zu zwei Meter lang werden. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass die vermeintliche Riesenspinne Megarachne große Ähnlichkeit mit anderen Seeskorpionen hat, die in kohlehaltigen Felsen in Schottland und Südafrika entdeckt wurden.