Er rumort mächtig weiter und das seit fast drei Wochen: Mehrere Hundert Meter hohe Lavafontänen schießen aus dem Krater des Cumbre Vieja auf La Palma. Die Lava ist dünnflüssig und daher auch sehr heiß. Vulkanologe Ulrich Küppers konnte am Donnerstag dank einer speziellen Genehmigung trotzdem nah an den Krater heran.
Ulrich Küppers, Vulkanologe:
»Wir stehen hier ungefähr zwei Kilometer vom Vulkan entfernt in der Sperrzone. Im Hintergrund kann man sehen, vielleicht auch hören, den momentan ausbrechenden Krater. Gestern als wir hier angekommen sind, zog die Asche noch nach Westen weg. Mittlerweile hat der Wind gedreht. Wir haben Wind, der jetzt aus Westen kommt, und der Flughafen ist mittlerweile wieder gesperrt.«
Asche und Staub auf der Landebahn sind die Gründe dafür, eine direkte Gefahr gäbe es nicht. Mehr als 6000 Menschen wurden mittlerweile evakuiert, 600 Häuser zerstört. Die meisten Bewohner La Palmas haben noch immer Glück: Die Auswirkungen der Eruptionen sind nur im zentralen Südwesten der Insel zu spüren, dort umso deutlicher.
Ulrich Küppers, Vulkanologe:
»Hier in der Sperrzone ist es natürlich so, dass abhängig von der Windrichtung relativ viel Asche und Tefla schon gefallen ist. Man sieht es hier relativ gut: Alle Wege, Pflanzen, alles ist bedeckt mit millimeter-, manchmal zentimeterweise vulkanischem Lockermaterial, Vulkanasche und Vulkan-Lapili.«
Auf dem von neuer Lava bedeckten Gebiet wird in den nächsten Jahrzehnten nichts auf natürliche Weise wachsen, sagt Küppers. Transport und Tourismus stagnieren: Auf der Westseite der Insel seien alle Straßenverbindungen zwischen Norden und Süden abgeschnitten. Die Forscher versuchen derweil dem Wesen des Vulkans mit wissenschaftlichen Mitteln noch näher zu kommen.
Ulrich Küppers, Vulkanologe:
»Wir haben jetzt Messinstrumente aufgestellt auf dem Besitz von einem Privatmann, der uns freundlicherweise auch erlaubt, dass wir den Stromanschluss nutzen. Insofern planen wir das Gerät für die nächsten Wochen oder Monate stehen zu lassen, solange dieser Ausbruch dauert. Und wir wollen messen, wie viel elektrisches Potenzial sich in dieser Ausbruchswolke bildet als Funktion der Aschepartikel, die ausgestoßen werden mit einer beachtlichen Geschwindigkeit.«
Das Ziel der Live-Messungen: Die Vulkanologen wollen erkennen, ob der Vulkan konstant aktiv ist oder Pausen eingelegt hat. Mittlerweile hat die Lava das Meer erreicht. Die Luftqualität habe sich laut lokaler Behörden merklich verschlechtert, rund 250.000 Tonnen Schwefeldioxid soll der Vulkan bisher ausgestoßen haben. Wie lange der Ausbruch noch dauern wird, ist unklar. Die Inselbewohner müssen sich aber wahrscheinlich noch etwas gedulden. Küppers rechnet mit zwei bis acht Wochen.