Washington Heiße Luft beim Klimagipfel
Washington - Offiziell überschlagen sich die Teilnehmer des Klimagipfels in Washington mit Lob. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Michael Froman, einer von US-Präsident Barack Obamas führenden Umweltschutzstrategen. "Wir preisen den Gastgeber USA", sagte der Repräsentant der EU-Kommission, Joao Vale de Almeida. "Es gab eine substantielle Diskussion", behauptete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).
Nach dem "Major Economies Forum on Energy and Climate", zu dem Obama Vertreter der 17 Nationen mit dem höchsten CO2-Ausstoß nach Washington eingeladen hatte, wird Optimismus vorgegaukelt. Die EU, Kanada, USA, Indien, China, Indonesien, Russland, Japan, Brasilien, Mexiko und Südkorea behaupten, sie hätten an einem Strang gezogen, damit wie geplant im Dezember ein neues Weltklimaabkommen auf den Weg gebracht werden kann. "Wir haben wirklich geredet, nicht nur vorgefertigte Manuskripte vorgetragen", sagte US-Chefunterhändler Todd Stern.
Prima Klima also? Mit greifbaren Ergebnissen konnten die Länder, die drei Viertel des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verursachen, nicht aufwarten. Groß ist zumindest bei den Europäern die Erleichterung darüber, dass sich die USA nach den Bush-Jahren wieder aktiv an den Klimaschutzverhandlungen beteiligen. Die Amerikaner beanspruchten sogar die Führungsrolle in der Klimafrage.
Wie jedoch ein neues Weltklimaabkommen aussehen könnte, das einer gefährlichen Erwärmung der Erdatmosphäre entgegenwirkt, bleibt weiterhin offen. Nur noch halb so viel Kohlendioxid wie 1990 dürfe die Menschheit zur Jahrhundertmitte in die Atmosphäre blasen, solle die Erwärmung auf durchschnittlich zwei Grad Celsius beschränkt bleiben, meinen Forscher.
EU besteht auf ambitionierten Zielen
Obamas Chefwissenschaftler - der Nobelpreisträger und Energieminister Steven Chu und der Präsidentenberater John Holdren - referierten vor den Umweltministern und Klimaunterhändlern im US-Außenministerium zwar akribisch den Stand der Wissenschaft. Der Plan, für das Jahr 2020 eine verbindliche Zwischenetappe einzulegen - wie beim Klimagipfel auf Bali im Dezember 2008 gefordert - fand aber zu wenig Unterstützung. Die EU pocht darauf, dass alle Industriestaaten, auch die USA, ihre Emissionen schon bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren und bis 2050 um 80 Prozent. Zudem sollen auch Länder wie China konkrete Ziele verfolgen. Obama aber will am liebsten gar kein verbindliches Ziel bis 2020. Erst für 2050 will er sein Land auf eine international gültige Zahl verpflichten.
China, inzwischen weltweit größter CO2-Emittent, weigert sich weiterhin, überhaupt Verpflichtungen einzugehen. Die Chinesen trugen in Washington ambitionierte nationale Klimaziele vor, aber international zusagen wollen sie davon nichts. Amerikaner und Chinesen haben Angst davor, sich gegenseitig Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und die Bevölkerung inmitten der Wirtschaftskrise zu überfordern.
Bundesumweltminister Gabriel deutete nach dem Treffen an, dass die EU zu Zugeständnissen bereit sei - etwa den USA für das Mittelfristziel bis 2030 statt bis 2025 Zeit zu lassen. "Die haben durch Bush einfach zehn Jahre verloren, das ist schwer wettzumachen", sagte Gabriel. China könne mit erheblichen Finanzhilfen für den Klimaschutz rechnen - aber nur, wenn es dafür nachweisliche CO2-Reduktionen im Rahmen eines neuen Weltklimaabkommens gebe.
Doch gerade beim Thema Geld hat der Gipfel wenig gebracht. "Wir haben so lange über CO2-Minderung geredet, dass dafür keine Zeit blieb", sagte US-Unterhändler Stern. Keine Bewegung habe es bei der Frage gegeben, wie die vielen Milliarden Euro jährlich in den Klimaschutz investiert werden müssen, sagte Gabriel. Davon aber hängt ab, wie konstruktiv sich die Entwicklungsländer an den Verhandlungen beteiligen werden.
Die Teilnehmer des Klimagipfels boten als Trost nur an, dass ihre Zusammenkunft lediglich das erste von drei ähnlichen Treffen war, die bis zum G-8-Gipfel im Juli in Italien stattfinden. Spätestens dann beginnt der Endspurt zum Weltklimagipfel Mitte Dezember in Kopenhagen. Gabriel warnte vor "Mikadospielen" vor dem Kopenhagen-Gipfel: "Verhandeln nach dem Motto 'wer sich zuerst bewegt, verliert', das funktioniert nicht."