Wasser: Wo die Ressource knapp wird - DER SPIEGEL
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Binnengewässer: Wasser hier, kein Wasser dort

Foto: European Commission/ Joint Research Centre, 2016

Satellitendaten Wo Wasser knapp wird

Mancherorts wird Wasser knapp, woanders wird es mehr: Eine Weltkarte der Binnengewässer zeigt, wie sich die Reserven seit 1984 verändert haben.
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In den vergangenen gut 30 Jahren sind global gesehen Binnengewässer mit einer Gesamtfläche von fast 90.000 Quadratkilometern verschwunden. Das entspricht etwas mehr als der Fläche von Österreich. Gleichzeitig kam an andere Stelle mehr als die doppelte Fläche hinzu: insgesamt 184.000 Quadratkilometer.

Unter der Umverteilung leiden vor allem der Mittlere Osten und Zentralasien, wie Wissenschaftler um Jean-François Pekel im Fachmagazin "Nature" schreiben . Die Forscher arbeiten am Joint Research Centre der EU-Kommission im italienischen Ispra.

Sie werteten insgesamt drei Millionen Satellitenbilder aus den Jahren 1984 bis 2015 aus. Dazu unterteilten sie die Landmasse in Abschnitte von jeweils 900 Quadratmetern und klassifizierten diese Flächen entweder als offenes Gewässer, als Land oder als nicht auswertbar. Der Fokus lag dabei sowohl auf Süß- als auch auf Salzwasser-Gewässern wie dem Toten Meer, aber nicht auf den Ozeanen. Die Ergebnisse haben die Forscher in einer frei zugänglichen, interaktiven Weltkarte zur Verfügung gestellt .

Dass 184.000 Quadratkilometer Wasseroberfläche hinzukamen, führen die Wissenschaftler hauptsächlich auf neue Stauseen zurück. Eine Ausnahme bilde Turkmenistan. Dort habe sich die Lagune Kara-Bogas-Gol erholt, seitdem aus dem Kaspischen Meer wieder Wasser einströmt. Außerdem habe sich im Hochland von Tibet die Wasseroberfläche erhöht, weil wegen gestiegener Temperaturen die Gletscher stärker schmelzen und es mehr regnet.

70 Prozent der Wasserverluste entfallen auf fünf Länder

Bei Binnengewässern, die über die Jahre verschwanden, vermuten die Forscher als Ursachen Dürren, die Umleitung von Flüssen, Dämme und unkontrollierte Wasserentnahme. Mehr als 70 Prozent der Verluste konzentrieren sich dabei auf nur fünf Länder. So hätten Kasachstan und Usbekistan große Teile des Aralsees verloren. Zudem seien im Iran und in den Krisengebieten Afghanistan und Irak große Wasserflächen verschwunden.

Insgesamt waren im vergangenen Jahr der Studie zufolge 2,78 Millionen Quadratkilometer Landmasse dauerhaft von Wasser bedeckt. 52 Prozent dieser Flächen befinden sich demnach in Nordamerika, 22 Prozent in Europa inklusive Russland. 810.000 Quadratkilometer waren vorübergehend überflutet. Insgesamt hat die Erde eine Landfläche von etwa 149 Millionen Quadratkilometern.

Datenlücken durch Wolken

Die Analyse der EU-Forscher zeige sowohl natürliche Schwankungen der Wasserflächen als auch den Einfluss des Menschen, schreiben Dai Yamazaki und Mark Trigg in einem begleitenden Nature-Kommentar . Pekel und seine Kollegen hätten die bislang beste Analyse vorgelegt, wie sich die Flächen von Binnengewässern verändern.

Die Ergebnisse werden für viele künftige Studien eine entscheidende Grundlage sein, prophezeien Yamazaki und Trigg. So könnten Klimamodelle, ökologische Untersuchungen von Land-Wasser-Grenzen und globale Wassermanagement-Initiativen profitieren.

Allerdings seien aussagekräftigere Informationen und Visualisierungen der globalen Veränderungen notwendig, um die Datenlücken zu schließen, die durch Wolken und operative Mängel entstehen. Das würde auch helfen, zwischen saisonalen Veränderungen und langfristigen Trends zu unterscheiden.

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Binnengewässer: Wasser hier, kein Wasser dort

Foto: European Commission/ Joint Research Centre, 2016
jme/dpa